Israel werde jetzt "Krieg bis zum bitteren Ende führen", hat der israelische Verteidigungsminister gesagt. Was bedeutet das?
Er meint damit, dass wir eine neue Lage im Nahen Osten herbeiführen müssen. Wir können uns mit den dauernden Angriffen der islamistischen Hamas nicht mehr abfinden. Wir müssen sie um jeden Preis abstellen.
Ilan Mor ist der Gesandte der israelischen Botschaft in Deutschland. Seit 1983 arbeitet er im diploma- tischen Dienst Israels in verschiedenen Positionen und Staaten.
Welchen Preis meinen Sie?
Wir haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, unsere Bürger vor Angriffen zu schützen. Der Preis dafür ist die Zerstörung der Infrastruktur der Terroristen im Gazastreifen. Dadurch hoffen wir, Ruhe und Normalität für unsere Bürger zu schaffen.
Den Preis zahlen die Palästinenser im Gazastreifen. Ein Drittel der Opfer sind Zivilisten.
Das Leben ist das höchste Gut eines Menschen, egal ob er Jude, Moslem oder Christ ist. Diese Regel gilt. Aber sie gilt für beide Seiten. Ich habe weder in der Weltpresse noch in der deutschen Presse etwas gelesen über unsere Opfer und unser Leid, das wir durch die palästinensischen Kassam-Raketen und Terroranschläge in den letzten acht Jahren zu beklagen hatten. 250 000 Menschen in Süd-Israel waren bisher Geiseln der Hamas. Wenn das keine Menschenrechtsverletzung ist, was dann?
Ist die Reaktion Israels verhältnismäßig?
Die Hamas missbraucht die Zivilbevölkerung als Schutzschild, da lassen sich zivile Opfer nicht ausschließen. Ein Krieg gegen Terroristen ist kein Picknick. Wir leben in einer erbarmungslosen Region. Nachgiebigkeit wird hier als Schwäche ausgelegt und konsequent bestraft. Herzlich willkommen in der Realität des Nahen Ostens.
Will Israel den Gazastreifen wieder besetzen?
Um Gottes Willen. Nein! Wir haben ihn 2005 verlassen, um nie mehr wieder zurückzukehren. Wir haben den Palästinensern eine Chance gegeben. Sie hätten aus Gaza ein zweites Singapur machen können. Doch sie haben diese Chance vergeben. Die Palästinenser haben noch nie eine Gelegenheit verpasst, um eine Gelegenheit zu verpassen.
Kritische Stimmen in Israel halten den Militärangriff für absolut falsch. Der Historiker Tom Segev schrieb, das Leben eines Kindes in der israelischen Stadt Sderot ist genauso viel wert, wie das eines Kindes in Gaza, es zu verletzen sei böse. Was sagen Sie dazu?
Das zeigt, Israel ist eine Demokratie. Es gibt keine einheitliche Meinung. Ich schätze Tom Segev sehr und er hat grundsätzlich Recht. Aber was soll Israels Regierung denn tun? Es gibt kein Patentrezept.
Die Regierung unter Ehud Olmert hat 2006 im Krieg gegen Libanon erfahren müssen, dass ein militärischer Angriff keine Lösung bringt. Warum macht sie nun den gleichen Fehler? Vielleicht würden Verhandlungen mehr bringen?
Frieden schließt man nur mit seinen Feinden, hat Yitzhak Rabin gesagt. Das stimmt. Wir können nicht nur auf unsere Streitkräfte setzen, wir müssen auch verhandeln. Aber ist die Hamas bereit, zu verhandeln? Sie stellt noch immer das Existenzrecht unseres Landes in Frage. Ich bin verblüfft, dass es noch immer Menschen gibt, die uns den Rat geben, mit diesen Terroristen zu sprechen. Es ist makaber, das von uns zu verlangen. Denn egal was wir tun, der Hass der Hamas gegen uns bleibt.
Interview: Katharina Sperber
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.