Aktuell: Ukraine | Rosetta-Mission | Fernbus-Markt | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

06. September 2012

Nahost: Neue Strategie auf dem Sinai

 Von Julia Gerlach
Blick vom Berg Moses über den Sinai – die Region ist derzeit sehr unsicher.  Foto: reuters

Die ägyptische Regierung von Mohammed Mursi steuert einen neuen Kurs auf der Halbinsel: Ehemalige Dschihad-Kämpfer sollen Terrorchefs in einen Dialog einbinden.

Drucken per Mail

Die ägyptische Armee hat begonnen, Panzer von der Sinai-Halbinsel abzuziehen. Damit – so heißt es – reagiert Kairo auf Forderungen der israelischen Regierung. Laut Friedensvertrag ist der Sinai eine weitgehend entmilitarisierte Zone. Nach dem blutigen Anschlag Anfang August, bei dem 16 ägyptische Grenzpolizisten getötet wurden, gab Tel Aviv jedoch grünes Licht: Kairo schickte Truppen und bombardierte Stellungen mutmaßlicher Terroristen auch aus der Luft.

Aktivisten auf dem Sinai berichteten, dass die Brutalität des Einsatzes die Methoden der Regierung unter Husni Mubarak sogar noch übertroffen hätte. Sie warnten davor, dass die neue Regierung auf diese Art die Fehler der Alten wiederhole und der Kreislauf aus Terroranschlägen, Repression, Ungerechtigkeit und neuen, noch blutigeren Anschlägen wiederbelebt werde.

Neue Strategie

Seit drei Wochen ist die „Operation Adler“ deutlich heruntergefahren worden. Das liegt unter anderem an einer neuen Strategie der Regierung von Mohammed Mursi. Mehrere Mitglieder des aufgelösten Parlaments sind auf den Sinai gereist, um mit Stammesführern und Militanten zu beraten. Nizar Ghorab leitete die Mission.

Nizar Ghorab ist ein Terror-Experte der besonderen Art: Er führt die „Entwicklungs- und Aufbau-Partei“, den politischen Arm der Gamaat al Islamiyya, einer ehemals militanten Gruppe. Der regierungsnahen Zeitung Al Ahram erklärte er den Hintergrund seiner Sinai-Mission: „Wir haben mit diesen Männern im Gefängnis gesessen und wir haben Hochachtung füreinander. Das erlaubt uns, mit ihnen in den Dialog zu treten. Wir drängen darauf, dass diese Gruppen, auch jene, die Waffen tragen, nicht länger die Regierung bekämpfen zu brauchen. Weil wir die Regierung unterstützen.“ In einer Zwischenbilanz betonte er, dass die militanten Gruppen eine Beteiligung an den Anschlägen des 5. August verneinten. Der Angriff gehe vielmehr auf das Konto israelischer Agenten. Bislang hat sich keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt.

Der Bart schützt nicht

Kritiker der Mission werfen den ehemaligen Militanten nicht nur vor, den Terroristen Zeit zu schenken, indem der militärische Druck nachlässt. Sie weisen auch auf ein Dilemma hin: Militante islamistische Gruppen kämpften und kämpfen noch heute gegen die Regierung, weil diese mit harter Hand gegen sie vorgehe. Zudem hielten sie die Regierung für nicht islamisch genug.

Dies könnte aus Sicht der Dschihadisten auch auf eine Regierung Mursi zutreffen. Sein Bart schützt ihn nicht unbedingt davor, ins Visier zu geraten, und auf geläuterte Dschihadisten wie Nizar Ghorab haben die Militanten gerade gewartet. Deswegen, so das Fazit des Artikels in Ahram, seien die Erfolgsaussichten der neuen Anti-Terrorstrategie eher gering.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

FR-Schwerpunkt

Was ist gerecht?

Was ist gerecht?

WIRKLICH? Wie ungleich darf eine Gesellschaft sein – und was ist eigentlich Gerechtigkeit? Der große Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau.

FR-Online: Ergänzende Informationen und ausgewählte Texte zum Thema im Online-Dossier.

iPad-App: Alle großen Stücke des Schwerpunkts - interaktiv in preisgekrönter Aufbereitung. Informationen und Bestellformular.

Zeitung: Sämtliche Analyen und Interviews im Vorteils-Abonnement - keine Folge verpassen und dabei noch anderen helfen. Das ist gerecht. Bestellformular.

Wie würden Sie Deutschland gerechter machen? Gibt es eine Ungerechtigkeit, der die Frankfurter Rundschau unbedingt nachgehen sollte? Reden Sie mit - auf unserer interaktiven Webseite.

STUDIE! Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Nehmen Sie teil an unserer Umfrage!

Videonachrichten Politik
Meinung