Paris. Tausende schritten in Uniform am Dienstag zu lauter Marschmusik über die Pariser Prachtavenue Champs-Elysées. Über die Köpfe der Gäste donnerten am Nationalfeiertag Kampfjets mit rot-weiß-blauen Rauchspuren. Der Rundfunk übertrug alle Strophen der Marseillaise.
Während das Pariser Volk am Vorabend des Nationalfeiertags auf dem Bastille-Platz tanzte und die Republik zu Gratiskonzert und gewaltigem Feuerwerk vor der prächtigen Kulisse des Eiffelturms lud, brannten weit weg vom Pariser Stadtzentrum, in den endlosen Vorstädten, wo Millionen von Einwanderern und Arbeitern leben, die Autos.
317 Wagen - so die offizielle Zahl - seien in der Nacht auf Dienstag ausgebrannt, teilte die nationale Polizeidirektion DGPN mit. Der Vorabend des Quatorze Juillet sei damit "relativ ruhig gewesen", kommentierte sie in ihrem Communique. Es seien "keine besonderen Zwischenfälle" zu vermelden.
240 Jugendliche wurden verhaftet, rund ein Dutzend Polizisten verletzt - die meisten durch Feuerwerkskörper. Da die Polizei ihre Gummiball-Pistolen aufgerüstet hat und diese statt bisher zehn nun bis zu 40 Meter Reichweite haben, setzten die Banlieue-Kids nicht mehr nur Molotow-Cocktails ein, sondern zielsichere Feuerwerksraketen. Die sind per Internet leicht zu beschaffen, das Dutzend für 20 Euro.
Neues Gesetz wirkt kaum
Das französische Parlament hatte im Juni ein neues Gesetz erlassen, das die Zugehörigkeit zu einer Jugendbande - und sei sie auch nur vorübergehend - mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Die Wirkung auf den Nationalfeiertag scheint indes beschränkt: Die 317 angezündeten Autos stellen laut Polizeistatistik einen Anstieg um 6,73 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar. Die Regierung rechnete mit weiteren Ausschreitungen; sie bot am Nationalfeiertag landesweit 11 000 Polizisten auf.
Die Nationalversammlung hatte 2003 schon das Ausbuhen der Marseillaise verboten. Innenminister Brice Hortefeux erinnerte daran, dass der 14. Juli "ein sehr starker Moment für unsere Identität ist". Das bedinge allerdings auch einigen "Respekt", denn: "Man weiß ja, dass es bei diesen Momenten manchmal zu Abweichungen kommt."
Die Zeitung Le Monde berichtet von einem "Anstieg der Spannungen in den Quartieren seit ein paar Wochen". Auch in kleinen Provinzorten kam es vereinzelt zu heftigen Krawallen. Im berüchtigten Pariser Vorort Villiers-le-Bel, wo der Tod zweier von der Polizei verfolgter Jugendlicher 2007 tagelange Straßenschlachten ausgelöst hatte, wird für Freitag der Ermittlungsbericht erwartet - und neue Krawalle. Seiten 30/31
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