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30. Juli 2013

Nato-Generalsekretär Rasmussen: Posten als Dank für Teilnahme am Krieg

 Von 
Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen.  Foto: dpa

Anders Fogh Rasmussen wurde Nato-Chef, weil er die USA im Irak unterstützte. George W. Bush persönlich habe bei seinem Nachfolger Barack Obama zugunsten des Dänen interveniert, sagt ein ehemaliger zentraler Berater des Weißen Hauses.

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Dass Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen seinen Posten den engen Banden zum Ex-Präsidenten der USA, George W. Bush verdankt, haben viele politische Auguren vermutet. Jetzt bekam die Zeitung „Politiken“ die Bestätigung aus autoritativer Quelle: Bush habe persönlich bei seinem Nachfolger Barack Obama zugunsten des damaligen dänischen Ministerpräsidenten interveniert, sagte Damon Wilson, der in der Bush-Ära einer der zentralen Berater im Weißen Haus war, dem Kopenhagener Blatt.

„Bei der Übergabe der Amtsgeschäfte platzierten wir die Ernennung hoch oben auf der Prioritätenliste und erklärten ausführlich, warum Rasmussen ein fantastischer Kandidat für die USA wäre“, sagte Wilson, der nun Vizedirektor des Think Tanks Atlantic Council ist. Vier Monate später wurde der Däne mit Obamas Unterstützung ernannt.

Rasmussen hat Bush um Hilfe gebeten

Ein Jahr davor hatte Rasmussen, der daheim in Dänemark stets versicherte, keinerlei Ambitionen auf internationale Spitzenposten zu hegen, Bush bei einem Besuch auf dessen Ranch in Texas unverblümt erklärt, dass er gerne Nato-Chef würde und dafür um Hilfe gebeten. Dies konnte er tun, weil während der vorangegangenen fünf Jahre eine Freundschaft zwischen den beiden Männern gewachsen war: Rasmussens außenpolitische Agenda war es, sein Land so eng wie möglich an die USA zu binden, die er als „Hort der Freiheit“ pries. Er folgte dem Ruf Bushs in die „Allianz der Willigen“ und führte Dänemark gegen den Willen der Opposition in den Irak-Krieg – ganz entgegen der dänischen Tradition, derartige Einsätze nur mit Einverständnis einer breiten Mehrheit durchzuführen. Auch in Afghanistan kämpften dänische Truppen in den gefährlichsten Regionen und erlitten schwere Verluste.

Bush belohnte die Unterstützung mit der Aufnahme Dänemarks unter die engsten Alliierten, die er vor wichtigen Entscheidungen konsultierte. Während andere Staatsführer vergleichbaren Kalibers nur selten Platz im Kalender des US-Präsidenten fanden, war Rasmussen zumindest einmal jährlich Staatsgast in Washington und besuchte den Präsidenten mehrmals im offiziellen Feriendomizil Camp David und privat auf Bushs Ranch, zu der nur besonders Auserwählte Zutritt bekamen.

„Die Unterstützung Dänemarks war nicht an Bedingungen geknüpft. Daher waren wir auch bereit, alles zu tun, um Dänemark zu helfen“, sagt Wilson. Auf Rasmussens Bitte um den Nato-Job erwiderte Bush, er könne nichts versprechen, da die Ernennung nicht mehr in seine Amtszeit fiel. „Aber er versicherte, sich für ihn einzusetzen, und das taten wir.“

Indirekter Dank für Teilnahme am Irak-Krieg

Dänische Experten sind überzeugt, dass die Ernennung ein indirekter Dank für die Teilnahme am Irak-Krieg war. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Dänemark den Posten bekommen hätte, wenn wir uns wie etwa Deutschland verhalten und aus dem Krieg herausgehalten hätten“, kommentiert Jens Ringsmose, Lektor am Institut für Kriegsstudien der Süddänischen Universität, die neuen Informationen. Die Beziehungen spielen zu lassen, um sich den Posten zu sichern, sei „vernünftig“ gewesen, meint Michael Ehrenreich, der Direktor der Außenpolitischen Gesellschaft, und im Stolz eines kleinen Landes, einen großen Posten erhalten zu haben, regt sich kaum Kritik an dem Doppelspiel zugunsten Rasmussens persönlicher Ambitionen.

Der überdimensionale Einfluss Dänemarks sei auch auf anderen Feldern zum Tragen gekommen, unterstreicht Wilson. So sei Dänemark eines der ersten Länder gewesen, das einen Staatsbürger aus dem Gefangenenlager Guantánamo freibekam. Die US-Regierung habe auf dänische Ideen gehört, als sie ihre arktische Strategie festgelegt habe. Man habe Kopenhagen Rückendeckung gegeben, als Dänemark in der Karikaturenkrise unter Beschuss gestanden habe.

Und als Washington in einem Handelskonflikt mit der EU den Import von dänischem Schweinefleisch mit einem Strafzoll von 100 Prozent belegen wollte, reichte ein besorgter Anruf hoher dänischer Beamten, um das Vorhaben zu stoppen. Die Dänen hatten darauf aufmerksam gemacht, dass die Strafmaßnahme den agrarisch geprägten Wahlkreis von Bush-Freund Rasmussen besonders hart treffen würde.

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