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Nato-Großoffensive in Afghanistan: US-Marines im Gefecht gegen Taliban

Wenige Stunden nach Beginn des Nato-Großangriffs gegen die Taliban in Südafghanistan, sind US-Truppen in Kämpfe verwickelt. Marineinfanteristen liefern sich mehrstündige Gefechte mit Aufständischen, drei Soldaten sterben bei einem Anschlag.

US-Marines der 1/3 Charlie Company im Gefecht gegen die Taliban.
US-Marines der 1/3 Charlie Company im Gefecht gegen die Taliban.
Foto: afp

Bei Mardscha. Mit der größten Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor mehr als acht Jahren versuchen amerikanische, britische und afghanische Soldaten in Afghanistan eine Wende zu erzwingen. 15000 Soldaten sind seit Samstag auf dem Vormarsch, um die radikal-islamischen Aufständischen aus ihrer Hochburg Mardscha in der Provinz Helmand zu vertreiben. Anders als früher war die Offensive diesmal angekündigt, um Zivilisten zu warnen.

Zudem soll die Bevölkerung nach dem Ende der Offensive diesmal nicht wieder alleingelassen werden. Ersten Angaben zufolge stießen die Soldaten bei der noch vor Tagesanbruch begonnenen Großoffensive "Muschtarak" ("Gemeinsam") zunächst auf wenig Widerstand. Amerikanische Truppen meldeten am Vormittag erste Erfolge. So sei es einer kleinen Vorhut von 200 Mann gelungen, in Randgebiete von Mardscha vorzudringen, berichtete der US-Sender CNN.

Nato-Streitkräfte unter dem Kommando der USA haben im Süden Afghanistans eine großangelegte Offensive gegen die Taliban gestartet.
Nato-Streitkräfte unter dem Kommando der USA haben im Süden Afghanistans eine großangelegte Offensive gegen die Taliban gestartet.
Foto: dpa

Die "New York Times" berichtete, im Norden der Stadt seien Marineinfanteristen per Hubschrauber an einer Kreuzung abgesetzt worden und hätten sofort umliegende Häuser gesichert. Ein Offizier der Marineeinheit bezeichnete die Stadt als "Hornissennest". Nach Angaben der internationalen Schutztruppe ISAF starben nach Beginn des Angriffs drei US-Soldaten - sie seien aber nicht direkt an dem Einsatz beteiligt gewesen. Aufseiten der Taliban wurden zunächst nur wenige Tote gemeldet.

Die afghanischen und ausländischen Soldaten seien zu Fuß, in Lastwagen und mit Hubschraubern auf dem Vormarsch, sagte US- Armeesprecher Abraham Sipe. Die Taliban hätten zunächst "minimalen Widerstand" geleistet. Auch der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak sagte, es habe nur "sporadisch" Gegenwehr gegeben.

US-Militärs befürchteten aber, dass die Taliban das Gelände vermint haben. Um den Weg freizuräumen, setzt das US-Militär nach CNN-Informationen erstmals auch einen "Minenbrecher" ein. Das 70 Tonnen schwere "Assault Breacher Vehicle" (ABV), ein umgebauter Panzer, kann Minen überfahren und mit Greifarmen und einer riesigen Schaufel Sprengsätze unschädlich machen.

Die vorrückenden Truppen "gehen davon aus, dass Taliban- Kämpfer bis zum Tode kämpfen werden", hieß es. Bereits vor Beginn der Offensive hatte der Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi gedroht, die Aufständischen würden Mardscha verteidigen und hätten rund um die gleichnamige Distrikthauptstadt Minen gelegt. In der Taliban- Hochburg verschanzen sich unterschiedlichen Angaben zufolge etwa 1000 Kämpfer. Die großen Nachrichtensender zeigten Bilder, wie US-Truppen mit schwerem Gerät vorrücken.

US-Präsident Barack Obama hatte für dieses Jahr eine massive Eskalation des seit Ende 2001 andauernden Krieges angekündigt und rund 30000 zusätzliche US-Truppen in Marsch gesetzt, um die wieder erstarkten Taliban zu besiegen.

US-Brigadegeneral Lawrence Nicholson sagte laut "Washington Post": "Wir werden Mardscha den Taliban wegnehmen." Das könne "zu einer grundlegenden Veränderung in Helmand führen" und möglicherweise in ganz Afghanistan. Der britische Brigadegeneral James Cowan sagte, die Operation werde den Anfang vom Ende des Aufstands markieren. Dazu haben die Militärs auch anders als früher vor, nach der Vertreibung der Taliban der Bevölkerung eine Perspektive zu bieten und einen Vorposten der Kabuler Regierung zu installieren.

Die Truppen gingen mit "überwältigender Gewalt" gegen jene Aufständischen vor, die das Angebot der Regierung nicht annehmen wollten, sich zu integrieren und sich in den politischen Prozess einzugliedern, teilte die ISAFmit. Präsident Hamid Karsai rief alle Taliban-Kämpfer dazu auf, die Gelegenheit zu nutzen, um der Gewalt abzuschwören und sich in die Gesellschaft einzugliedern.

Vor Beginn der seit Tagen angekündigten Offensive waren zahlreiche Zivilisten aus Mardscha und Umgebung in die Provinzhauptstadt Laschkarga geflohen. Der Bezirk Mardscha war bisher unter vollständiger Kontrolle der Taliban und Afghanistans wichtigstes Handelszentrum für Rohopium. Die Taliban finanzieren sich auch mit dem Drogenhandel. In dem Gebiet leben mehr als 120000 Menschen, allein die Einwohnerzahl der gleichnamigen Bezirkshauptstadt Mardscha wird auf rund 80000 geschätzt. (dpa)

Datum:  12 | 2 | 2010
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