Die Lage im Kosovo blieb auch am Donnerstag gespannt: Nach einem Brandanschlag lokaler Serben auf einen der Grenzübergänge zwischen dem serbisch besiedelten Nordkosovo und Serbien am Mittwochabend hat die Nato-geführte Schutztruppe Kfor die Kontrolle über beide umkämpften Grenzübergänge übernommen.
Unterdessen meldeten Belgrader Quellen am Donnerstag allerdings einen Angriff der kosovo-albanischen Spezialpolizei Rosa auf Serben im Süden des Kosovo bei der Kleinstadt Strpce. Dabei sei ein serbischer Zivilist schwer verletzt worden.
Am Mittwoch hatte eine Gruppe von etwa 50 teils maskierten Männern den Grenzübergang Jarinje niedergebrannt. Die Blockaden der Kosovo-Serben, die der kosovarischen Polizei den Zugang zur Grenze versperren sollten, blieben auch gestern bestehen. In der Nacht zum Dienstag hatte die kosovarische Spezialpolizei versucht, beide Kontrollpunkte in ihre Gewalt zu bringen. Seither war es immer wieder zu Scharmützeln zwischen demonstrierenden Serben und der Polizeitruppe gekommen. Ein Kosovo-Polizist war am Dienstag aus den Reihen der Demonstranten erschossen worden.
Die Regierung in Belgrad zeigte sich um Beruhigung bemüht: Sie beschloss auf einer Sondersitzung, die Zusammenarbeit der Polizei mit der Kfor-Truppe sowie mit der EU-Justiz- und Polizeimission Eulex zu verbessern. Serbiens Präsident Boris Tadic bezeichnete aber die Aktion der kosovarischen Polizei als unannehmbar. Das „einseitige Vorgehen“ gefährde den Dialog zwischen Belgrad und Pristina. Beide Seiten verhandelten seit März über eine Annäherung.
Kosovo-Premier Hashim Thaci sagte, die „Herstellung von Frieden und Sicherheit sowie der territorialen Integrität des Kosovo“ blieben „prioritäre Aufgaben“ seiner Regierung. Hier könne es keinen Kompromiss geben. Thaci hatte am Vortag bekräftigt, dass seine Polizei die Souveränität über das ganze Kosovo einschließlich des Nordens herstellen wolle.
In New York ließ sich der Weltsicherheitsrat über die Lage vor Ort unterrichten. Belgrad verlangt eine Sondersitzung.
Der frühere Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Christian Schwarz-Schilling (CDU), sieht nur dann eine Lösung für die Konflikte im und um das Kosovo, wenn alle 27 EU-Staaten es als Staat anerkennen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein britischer Kollege William Hague erklärten sich gemeinsam „tief besorgt“ über die Krise und verurteilten „jegliche Anwendung von Gewalt“.
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