Düsseldorf. Als einen "Skandal" hat der deutsch- iranische Autor Navid Kermani die europäische Flüchtlingspolitik kritisiert. Bei der Tragödie im Mittelmeer, wo jährlich etwa 5000 Menschen auf ihrer Flucht aus Afrika ertrinken, "schaut Europa kollektiv weg", sagte Kermani am Mittwochabend in Düsseldorf.
"Und was machen wir denn, wenn die iranischen Studenten, die jetzt für Demokratie kämpfen, flüchten wollen? Sie können nicht nach Europa!", betonte der gerade aus dem Iran zurückgekehrte Publizist.
Die Abschottung des Kontinents am Mittelmeer sei derzeit "das größte humanitäre Problem Europas", sagte Kermani. "Es gibt keinen Ort, wo Europa seine eigenen Werte und Prinzipien mehr unterläuft."
Allerdings sei diese Politik, die jeden Tag den Tod von Menschen verursache, im europäischen Bewusstsein "nicht angekommen". Im Gegenteil steige eher die Zahl der Todesopfer unter den auf oft unsicheren Booten reisenden Flüchtlinge: "Die Menschen sterben, weil Europa mit militärischen Mitteln die Schiffe zwingt, einen immer weiteren Bogen zu fahren", kritisierte der Autor. (dpa)
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