Wenn am Donnerstag vier Castor-Behälter aus Frankreich ins Zwischenlager Nord rollen, erwarten Atomgegner einige hundert Demonstranten im Ostseebad Lubmin. Mahnwachen und Gleisaktionen entlang der etwa 20 Kilometer langen Strecke von Greifswald nach Lubmin sind geplant. Unterstützung bekommen die Aktivisten aus dem Castor-erfahrenen Wendland.
Einen Massenprotest erwartet dennoch niemand. Lubmin ist nicht Gorleben. Die Intensität des Widerstands hat viel mit Ritualen und der Symbolkraft von Orten zu tun. Als vor kurzem der Castor ins Wendland rollte, protestierten Zehntausende. Rund um Lubmin gab es kaum Proteste, als in den vergangenen Jahren rund 65 Castorbehälter auf das Gelände eines ehemaligen DDR-Kernkraftwerks transportiert wurden.
Im Januar sollen noch einmal fünf Castoren aus dem Forschungszentrum Karlsruhe geliefert werden. Dann sei Schluss, sagen die Betreiber des Zwischenlagers, die Energiewerke Nord. Und der Bürgermeister von Lubmin, Axel Vogt, will mit dem ganzen Thema nichts mehr zu tun haben. Seine Gemeinde beschloss, rechtliche Schritte gegen jedes Medium einzuleiten, das „nicht korrekt vom Zwischenlager Nord berichtet (…) und auf die namentliche Verknüpfung mit dem Seebad Lubmin verzichtet“. Die Aktivisten der lokalen „Lubmin-nixda“-Kampagne wollen sich dem Transport am Donnerstag mit zivilem Ungehorsam entgegenstellen. Auf Facebook wirbt die Kampagne schon als „Schotter und Söhne – Gleisabbau und Rückbau GmbH“.
Aktivisten: „Großes Problem“
„Wir haben viel Hilfe aus dem Wendland bekommen“ , sagt Aktivist Adelwin Bothe vom Anti-Atombündnis Nord-Ost. Zelte, Geräte, Spenden und eine große Castor-Attrappe etwa. Sorge bereitet den Aktivisten die ungewollte Unterstützung durch die rechte Szene. „Das ist hier ein großes Problem“, sagt Bothe.
Die NPD versuche, die Stimmung gegen den Transport zu nutzen, und mobilisiere gegen Atomtransporte in die „nationale Heimat“. Man wehre sich gegen den Dreck, der im schönen Mecklenburg verbuddelt werden solle, wetterte Udo Pastörs, Fraktionsvorsitzende der NPD im Schweriner Landtag. „Die Kernenergie ist Teufelswerk“, die Atomtechnologie sei „Bestandteil des Teufelskreises der kapitalistischen Wachstumsideologie“, sagte der Politiker, der ansonsten zum Widerstand gegen „Völkermord am deutschen Volk“ aufruft.
Die Anti-Castor-Aktivisten wehren sich gegen die Vereinnahmung. Bei der Auftaktkundgebung am Samstag wurde eine Gruppe Rechtsradikaler verscheucht. Am Dienstag soll es eine Demonstration gegen rechts in Greifswald geben.
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