Rechtsradikale verprügeln immer öfter Deutsche, und auch Frauen sind nicht mehr vor ihnen sicher. Das hat die DAV Stiftung contra Rechtsextremismus und Gewalt des Deutschen Anwaltvereins (DAV) beobachtet. Unter den Opfern, deren Fälle von Beratungsstellen oder von Anwälten an die Stiftung herangetragen wurden, waren 2006 lediglich 21,6 Prozent Deutsche - im laufenden Kalenderjahr sind es bisher knapp 57 Prozent.
Die deutschen Opfer führt die Stiftung als "linke Opfer" - und so sehen sie meist auch aus: Jugendliche, die "äußerlich einem eher linken Spektrum zugeordnet" werden, würden "gezielt ebenso überfallen wie beispielsweise auch alternative Konzerte und Stadtfeste", bilanziert die Stiftung.
Noch stärker gestiegen ist der Anteil der weiblichen Opfer: von 8,1 Prozent 2006 oder 8,3 Prozent im Jahresmittel von 2005 bis 2007 auf 23,3 Prozent bisher in diesem Jahr. Das zeuge "von einer zunehmenden Hemmungslosigkeit der Rechtsextremisten", urteilt Rechtsanwalt Micha Guttmann, Vorsitzender des Kuratoriums der DAV Stiftung. Statistisch belastbar ist der Befund wohl nicht, dafür ist die Gesamtzahl zu niedrig - in diesem Jahr waren es bislang 30 Fälle, die Zahlen der Vorjahre sind ähnlich. Die Stiftung unterstützt auch nicht alle Opfer politisch motivierter Gewalt, sondern ausschließlich Bedürftige.
Aber die Erkenntnis passt ins Bild der Meldungen - ob zu den Straßenschlachten am 1. Mai oder dem Überfall auf ein Jugendzeltlager in Hessen im Juli. Übergriffe sind oft gut vorbereitet: Die "Anti-Antifa" stellt Namen, Adressen und Fotos von gegen rechts Engagierten ins Internet - und vermeldet genüsslich, wenn deren Hauswände beschmiert oder Scheiben eingeworfen werden.
Eine weitere Beobachtung des Anwaltvereins wirft ein schlechtes Licht auf die deutsche Justiz: Häufig würden Verfahren nur deshalb zum Abschluss gebracht, weil von Opferseite Anwälte eingeschaltet würden - als Vertreter der Betroffenen, die als Nebenkläger auftreten. Den Anwälten sei es oft zu verdanken, dass Ermittlungen weitergeführt werden und ein politisch motivierter Hintergrund nicht unter den Teppich gekehrt werde, sagt Anwalt Guttmann.
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