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09. November 2011

Neue Kriege: Söldner mischen in Afrikas Kriegen mit

 Von Johannes Dieterich
Libysche Kämpfer bewachen Schwarzafrikaner in Sirte, die verdächtigt werden, als Söldner gekämpft zu haben.  Foto: rtr

50 Jahre nach den ersten Söldnerkriegen erleben ausländische Kämpfer eine Renaissance

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Schwere Menschenrechtsverletzungen, Exekutionen, Verschleppungen, Vergewaltigungen, Folterungen und willkürlichen Verhaftungen – die UN schlägt Alarm. In den vergangenen zwölf Monaten sei es in Afrika zu einem „besorgniserregenden Anstieg“ des Söldnerwesens gekommen, so hat ein UN-Ausschuss ermittelt. Ausschussvorsitzender Faiza Patel fordert die Mitgliedsstaaten auf, die Mietkrieger strafrechtlich zu verfolgen. Allerdings haben nur neun der 54 afrikanischen Staaten die UN-Konvention gegen das Söldnerwesen unterzeichnet – und nicht immer ist klar, was einen Söldner von einem privaten Sicherheitsexperten unterscheidet.

Bestes Beispiel dafür ist die US-Firma „Bancroft Global Development“, die in Somalia die rund 9000 Mann starke Truppe der afrikanischen Mission Amisom in ihrem Kampf gegen die islamistische al-Schabaab-Miliz berät. Bancroft-Gründer Michael Stock wehrt sich zwar dagegen, seine Mitarbeiter als Söldner zu bezeichnen, weil sie weder in Kampfhandlungen noch in geheime Operationen verwickelt seien. Aber sie bilden die Amisom-Mitglieder im Scharfschießen und Entschärfen von Sprengsätzen aus, und dass unterscheidet sie deutlich von üblichen Entwicklungshelfern. Außerdem arbeiten bei Bancroft auch Söldner der alten Garde wie der Franzose Richard Rouget und auch weißen Südafrikaner, die während der Apartheid in der Armee dienten und heute wegen ihrer Käuflichkeit und militärischen Kenntnisse so begehrt wie berüchtigt sind.

Südafrikaner der in mehreren Ländern registrierten Firmenkette „Saracen“ sollten auch somalische Soldaten im Kampf gegen Piraten und Al-Schabaab-Milizionäre trainieren. Doch als das angeblich von den Arabischen Emiraten finanzierte Projekt bekannt wurde, stornierte Somalia die Verträge – wohl aus Angst vor noch mehr Image-Verlust.

Solche Skrupel kannte Libyens Machthaber Muammar Gaddafi nicht. Neben zahlreichen Söldnern aus den Nachbarländern Tschad, Mali und Niger, die nach Erkenntnissen des Haager Strafgerichtshofs von Gaddafis Sohn Saif al-Islam rekrutierte worden waren, wurden auch Südafrikaner angeheuert, die sich um die Familie Gaddafi kümmern sollten. Das glückte ihnen auch, zumindest teilweise, recht gut: Ende August brachte ein von Südafrikanern begleiteter Konvoi Gaddafis Frau und drei seiner Kinder nach Algerien. Eine zweite Gruppe, die den Diktator selbst aus Sirte führen sollte, war dagegen weniger erfolgreich: Dieser Konvoi wurde von Nato-Kampfjets angegriffen.

Außer Gaddafi selbst sollen bei dem Fluchtversuch mehrere weiße Söldner umgekommen und andere festgenommen worden sein. Unter ihnen Danie Odendaal, der verletzt und später zur Behandlung nach Kairo ausgeflogen wurde. Ihm zufolge waren die Südafrikaner davon ausgegangen, dass die Nato mit ihrer Mission einverstanden war: Sie seien vom westlichen Bündnis jedoch in eine Falle gelockt worden. Einige Söldner sollen sich jetzt noch im äußersten Südwesten aufhalten. Dort beschützen sie Gaddafi-Sohn Saif al-Islam, der immer noch nicht aufgegeben hat.

Ausnahmsweise ohne Beteiligung südafrikanischer Söldner verlief der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste Anfang des Jahres. Ex-Präsident Laurent Gbagbo verließ sich dort auf 4500 Miet-Kämpfer aus Liberia – der Einsatz französischer Truppen auf Seiten des Wahlsiegers Alassane Ouattara machte Gbagbo aber einen Strich durch die Rechnung. Offenbar wollte der durch einen Putsch entmachtete madagassische Präsident Marc Ravalomanana mit Hilfe südafrikanischer Söldner seinen Thron zurückerobern – das Projekt wurde jedoch aus nicht bekannt gewordenen Gründen abgeblasen.

Südafrika verabschiedete vor fünf Jahren ein Gesetz, das das Söldnerwesen unter Strafe stellt – doch die Novelle ist vom Staatspräsidenten bislang allerdings nicht unterschrieben worden. Die Autoren des jüngsten UN-Berichts regen eine neue Konvention an, die hoffentlich von mehr als lediglich neun Staaten unterschrieben werde. Teil dieser Konvention soll auch eine bessere Unterscheidung privater Sicherheitsfirmen von Söldnertruppen sein. In beiden Bereichen werden im Jahr schätzungsweise bis zu einhundert Milliarden Dollar weltweit umgesetzt.

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