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23. Februar 2016

Neuer Armutsbericht: Ruhrgebiet ist deutsche Problemzone

 Von 
Millionen Deutsche profitieren nicht vom Wirtschaftsboom.  Foto: epd

Die Armut in Deutschland sinkt nach einem neuen Bericht leicht. Allerdings gilt das nicht für alle Regionen. Während sich Berlin stark verbessert, entwickelt sich das Ruhrgebiet "zur Problemzone Nummer eins." Eine Altersgruppe ist von Armut besonders befallen.

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Trotz guter Wirtschaftslage ist die Armut in Deutschland nur leicht gesunken. Nach dem Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands sank die Quote für 2014 gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Punkte auf 15,4 Prozent – das entspricht gut zwölf Millionen Menschen. Es ist der erste Rückgang seit 2006. Diese Entwicklung verlief aber nicht in allen Bundesländern gleichermaßen. Den stärksten Rückgang der Armut verzeichnete Berlin. Trotz Rückgang weist Bremen mit 24,1 Prozent weiterhin den größten Armenanteil aller Bundesländer auf. In Baden-Württemberg liegt sie mit 11,4 Prozent nicht einmal halb so hoch.

Dem Absinken in neun Bundesländern steht eine wachsende Armut in sechs Ländern gegenüber. Besonders kräftig stieg die Quote in NRW und dem Saarland, jeweils von 17,1 auf 17,5 Prozent. Der negative Trend in NRW ist laut Armutsbericht vor allem der Entwicklung im Ruhrgebiet geschuldet. Während die Quoten in Bonn um 1,1 Punkte auf 13,4 Prozent und in der Region Köln um 1,2 Punkte auf 16,3 Prozent sanken, vermeldeten die Regionen Dortmund sowie Duisburg-Essen nochmals einen Anstieg um je 0,4 Punkte auf 22 und 19,3 Prozent. Mit einer durchschnittlichen Quote von 20 Prozent sei das Ruhrgebiet mittlerweile die „Problemregion Nummer eins“ in Deutschland, so Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Altersarmut gestiegen

Besorgniserregend ist dem Armutsbericht zufolge auch das deutliche Plus bei der Altersarmut. Erstmals liege der Anteil einkommensarmer Rentnerhaushalte mit 15,6 Prozent über dem Durchschnitt. Gegenüber dem Jahr 2005 wuchs der Anteil der von Armut betroffenen Ruheständler um 46 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl der Personen, die die Grundsicherung im Alter in Anspruch nehmen. 2003 waren es bundesweit noch knapp 258 000 Rentnerinnen und Rentner, 2014 lag die Zahl bei über 512 000. Noch deutlich häufiger stehen Arbeitslosen weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung. 84 Prozent der Arbeitslosen sind arm, umgekehrt sind 57,6 Prozent der Armen arbeitslos.

Risiko bei Alleinerziehenden

Einem sehr hohen Armutsrisiko sind auch Alleinerziehende – zu 90 Prozent Mütter – ausgesetzt. Die Armutsquote lag 2014 bei 41,9 Prozent. Zum Vergleich: Unter den Elternpaaren mit einem oder zwei Kindern ist nur jeder zehnte Haushalt von Einkommensarmut betroffen. Überdurchschnittlich hohe Armutsanteile von über 30 Prozent weisen überdies gering qualifizierte Personen auf. Zudem ist jeder vierte Inländer mit Migrationshintergrund arm, aber nur jeder achte ohne Migrationshintergrund. Laut Deutschem Kinderhilfswerk sind sogar 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen arm. Präsident Thomas Krüger forderte einen Aktionsplan gegen Kinderarmut. Schneider trat für eine Stärkung der Renten, der Grundsicherung, für mehr Bildung und steuerliche Umverteilung ein.

Die Armutsschwelle für Singles ohne Kinder lag 2014 bei einem verfügbaren Einkommen von monatlich 917 Euro, für ein kinderloses Paar waren es 1376 Euro. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren lag die Grenze bei 1192 Euro, für Paare mit einem Kind dieses Alters bei 1651 Euro.


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