Peking. Das Rad der ewigen Wiederkehr gehört zu den zentralen Glaubenssätzen des Buddhismus: Alles passiert in unendlichen Wiederholungen, zwar in stets neuen Variationen, aber letztlich trotzdem immer gleich. Auch die Gespräche zwischen den Exiltibetern und der chinesischen Regierung gleichen diesem Muster. Seit Jahren treffen sich Abgesandte des Dalai Lama und der Kommunistischen Partei, um eine Einigung in der Tibet-Frage zu erörtern - bisher jedes Mal vergeblich.
Entsprechend gering sind die Erwartungen an die jüngste Verhandlungsrunde, die neunte seit Beginn des diplomatischen Rituals im Jahr 2002. Am Dienstag reisten die beiden langjährigen Emissäre der Exilregierung, Lodi Gyari und Kelsang Gyaltsen, in die Volksrepublik, wo sie bis Anfang Februar Möglichkeiten für eine Annäherung ausloten sollen. Pekings offizielle Reaktion auf ihre Ankunft glich fast aufs Wort dem Willkommensgruß bei ihrem letzten Chinabesuch im November 2008.
Die chinesische Regierung hoffe, dass der Dalai Lama die Gelegenheit ergreife und auf die Forderungen aus Peking eingehe, erklärte Außenamtssprecher Ma Zhaoxu. Gemeint ist damit eine vollständige Abkehr vom Anspruch auf eine kulturelle Selbstbestimmung der Tibeter außerhalb der engen Grenzen der Kommunistischen Partei. Obwohl eine derartige Unterwerfungsgeste für den Dalai Lama unmöglich ist, bezeichnete ein Sprecher des Friedensnobelpreisträgers das Treffen als einen "wichtigen Schritt" auf der Suche nach einer "beiderseitig akzeptierten Lösung".
An moralischer Rückendeckung ist kein Mangel. Die US-Regierung sicherte den Unterhändlern ihre Unterstützung zu. Der Dialog sei eine Chance, um "langjährige Streitigkeiten" anzugehen, erklärte das Außenministerium in Washington. Vor knapp zwei Wochen hatte auch Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Peking für eine Annäherung an den Dalai Lama geworben und sich dafür allerdings von seinem chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi eine unmissverständliche Abfuhr eingefangen.
Die Organisation International Campaign for Tibet (ICT) äußerte die Hoffnung, dass der Termin für das Treffen ein Anzeichen für Bewegung in der chinesischen Position sein könne, da in Peking kürzlich das fünfte Arbeitsforum zur Tibetpolitik abgeschlossen worden sei. Die Menschenrechtslage in Tibet bezeichnete die Organisation allerdings als "nach wie vor prekär", insbesondere gegen die freie Meinungsäußerung werde massiv vorgegangen. Seit den blutig niedergeschlagenen Tibeterunruhen im März 2008, die der Regierung kurz vor den Olympischen Spielen in Peking scharfe Kritik einbrachten, unterliegt das Leben in den tibetischen Gebieten rigiden Kontrollen, etwa bei Reisen oder der Religion.
Chinas Volksbefreiungsarmee war 1951 in Tibet einmarschiert und hatte den Himalayastaat annektiert. Nach Pekinger Auffassung ist die Region historisch seit Jahrhunderten ein Teil Chinas. Nachdem die Chinesen 1959 Tibeteraufstände blutig niederschlugen, floh der Dalai Lama ins indische Exil, wo er bis heute mit seiner Exilregierung in dem Bergstädtchen Dharamsala residiert.
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