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Neues Schweißverfahren: Streit um Castor-Sicherheit

Um den neuen Prototyp für über 100 Castorbehälter ist jetzt Streit entbrannt: Es soll ein nicht genehmigtes Schweißverfahren angewendet worden sein. Von Joachim Wille

Castorbehälter stehen in der Lagerhalle des Atommüll-Zwischenlagers Gorleben.
Castorbehälter stehen in der Lagerhalle des Atommüll-Zwischenlagers Gorleben.
Foto: ddp

Die zuständige Genehmigungsbehörde, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin, attackiert den Hersteller der Atom-Behälter scharf. Sie habe "begründeten Anlass zur Sorge", dass das Essener Atom-Entsorgungsunternehmen GNS "keine qualitätsgesicherte Fertigung" garantiere.

Bei der Fertigung eines Castor-Bauteils habe es "mehrere grobe Verstöße" gegen Richtlinien zur Qualitätssicherung gegeben, moniert die BAM in Briefen an die GNS, die der FR vorliegen. Die Behörde und der ebenfalls beteiligte TÜV stellte wegen des Konflikts die Gutachtertätigkeit in dieser Sache vorübergehend ein.

Ein Castor transportiert Brennelemente (Archivbild).
Ein Castor transportiert Brennelemente (Archivbild).
Foto: rtr

Bei dem Streit geht es um den Prototyp zur Produktion von über 100 neuen Castoren vom Typ V/19, in denen abgebrannte Brennelemente nach ihrer Entladung aus den hiesigen Atomkraftwerken eingelagert werden sollen. Hersteller ist die Essener Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), die die Entsorgung der deutschen Kernkraftwerke durchführt und unter anderem die Zwischenlager in Gorleben und Ahaus betreibt. Für die jetzt anlaufende Fertigung ist eine neue Zulassung erforderlich, die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter und der BAM erteilt wird. Die BAM muss dafür die Sicherheit und die Herstellungsprozeduren des Behälters überprüfen.

Konkret moniert die BAM das Verfahren, in dem die so genannten Tragkörbe für das radioaktive Material gefertigt wurden. Diese "Körbe" - zusammengeschweißte Gerüste aus Spezialstahl - fixieren die stark strahlenden Brennelemente im Castor-Innern. Sie sollen die Brennelemente zum Beispiel bei einem Transportunfall vor Beschädigung schützen und müssen die in ihnen entstehende Wärme an die Behälterwand ableiten. Dabei kommt es auch darauf an, dass die Schweißverbindungen sachgemäß ausgeführt werden.

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Das BAM kritisiert in einem Schreiben, die Herstellerfirma habe ein nicht zulässiges Schweißverfahren benutzt. Die Genehmigung habe nur für einen älteren Castor-Typ gegolten, inzwischen sei das "Design" des Tragkorbs und die benutzte Stahlart verändert worden. Die Behörde stellte nach einer Vor-Ort-Überprüfung fest, es gebe "ein vorsätzliches Umgehen von Schritten zu einer qualitätsgesicherten Fertigung durch die GNS".

Was die GNS daraufhin zu ihrer Verteidigung vorbrachte, besänftigte die BAM-Experten nicht. Sie schreiben in ihrer Antwort: "Die von Ihnen dargelegte Beschreibung des Sachverhaltes bestätigt unsere Auffassung, dass GNS nicht in der Lage ist, den Prozess der ,zulassungsvorlaufenden Fertigung´ sicher zu beherrschen."

GNS-Bereichsleiter Jens Schröder bestätigte der FR, dass die BAM die Fertigungsprozedur des Tragkorbs kritisch bewertet habe: "Es gab unterschiedliche Fachmeinungen." Das sei in solchen Genehmigungsverfahren aber "nicht unüblich". Er zeigte sich jedoch verwundert über die "Emotionalität", in der der BAM-Brief abgefasst sei. Inzwischen sei der Konflikt ausgeräumt, man habe die Vorwürfe entkräften können.

Eine Sprecherin der BAM wollte keine Stellungnahme zu Details abgeben, da es sich um ein "laufendes Verfahren" handele. Die BAM-Experten seien jedoch generell "nicht zimperlich", wenn es um die Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften gehe.

Schröder sagte, er schließe "absolut aus", dass das von der BAM monierte Schweißverfahren bei den Castoren in der Praxis irgendwelche Sicherheitsprobleme verursachen könnte. Zudem sei sichergestellt, dass in der späteren Castor-Serienfertigung der Behälter nur Verfahren benutzt würden, die der endgültigen BAM-Zulassung entsprächen.

Kritisch bewertet der Atomexperte Wolfgang Neumann vom Umwelt-Beratungsbüro Intac in Hannover den Fall. Wegen des Castor-Prototyps sei zwar "keine Gefahr im Verzug", da die Tragkörbe noch nicht im Einsatz seien. "Die Standards der Qualitätssicherung einzuhalten, ist aber extrem wichtig. Sie muss zuverlässig funktionieren", sagte er der FR. Er halte es für bedenklich, dass bei der GNS nun erneut Probleme aufgetaucht seien. So habe die BAM 2008 bei einem anderen Castor-Typ moniert, die GNS habe für Sicherheitsnachweise unzulässigerweise "frei gewählte Parameter in Rechenmodelle" eingefügt.

Neumann verwies darauf, dass dem Tragkorb als Castor-Bauteil hohe Bedeutung zukomme. Wenn Schweißnähte des Gestells unter Belastung, etwa beim Transport, rissen, könnten sich die Brennelemente im Behälter "verkeilen", erläuterte er. Unter Umständen werde es dann sehr schwierig, sie wieder herauszuholen.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  15 | 6 | 2010
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