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Politik
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09. November 2012

Neukölln: „Die Kinder sind die Leidtragenden“

Kazim Erdogan, Psychologe.  Foto: BA Neukölln

Der Neuköllner Psychologe Kazim Erdogan lehnt das Betreuungsgeld ab

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Herr Erdogan, Sie sind Vorstand des Vereins „Aufbruch Neukölln“ und Sie sind gegen das Betreuungsgeld. Was genau stört Sie daran?

Ich bin seit 39 Jahren in Deutschland und versuche seitdem, die Menschen zu überzeugen, wie wichtig vorschulische Erziehung für ihre Kinder ist. Wissenschaftler haben bewiesen, dass Kinder, die schon früh in Krippe und Vorschule geschickt wurden, später bessere schulische Leistungen erbringen. Ein weiterer Grund ist, dass das Betreuungsgeld für viele Mütter Anreize schafft, zu Hause am Herd zu bleiben. Gegen diese Rolle haben Frauen jahrelang angekämpft.

Sie arbeiten mit sozial benachteiligten Eltern zusammen. Was halten die davon?

Ich habe bisher niemanden in Neukölln getroffen, der das Betreuungsgeld befürwortet. In meinen Müttergruppen wie auch in den Vätergruppen heißt es immer wieder: Bildung, Bildung, Bildung! Unseren Kindern soll es mal besser gehen. Das aber gelingt nur, wenn Kinder frühstmöglich gemeinsam lernen.

Befürworter halten dagegen, das Betreuungsgeld führe dazu, dass Erziehungsarbeit endlich belohnt werde.

Ich sehe das nicht so. Vielmehr ist es doch ein Ablenkungsmanöver: Ab 2013 haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz. Doch noch immer fehlen allein in Berlin 15.000 Kitaplätze. Je mehr Mütter das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen, desto weniger Ausgaben hat der Staat und desto geringer ist der Druck, sich um zusätzliche Kitaplätze zu kümmern.

Was befürchten Sie, wird sich mit Einführung des Betreuungsgeldes ändern?


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Es werden Mütter erster und zweiter Klasse geschaffen. Frauen aus Zuwandererfamilien werden stigmatisiert. So spaltet das Betreuungsgeld die Gesellschaft. Und auf die Erzieher wird mehr Arbeit zukommen. Viele Kinder kommen erst nach drei Jahren in die Kita, ohne je gelernt zu haben, sich anzupassen. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund ist ein früher Kontakt zu deutschsprachigen Kindern und Erziehern wichtig. Den aber verhindert das Betreuungsgeld. Meine Angst ist, dass wir bald wieder eine Diskussion um misslungene Integration führen müssen. Das möchte ich nicht noch mal erleben.

Das Gespräch führte Felix Brumm.

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