Washington. Die Aufregung war groß: In New York habe man einen Terroranschlag auf jüdische Einrichtungen vereitelt, meldete die US-Bundespolizei FBI. Vier Männer waren am Mittwoch verhaftet worden, als sie mit vermeintlichem Sprengstoff präparierte Autos vor ihren Zielen abstellen wollten. Doch je mehr Details über die mutmaßlichen Täter bekannt werden, desto mehr Fragen stellen sich nach der Rolle des "Informanten": Womöglich hätte es das Komplott ohne einen V-Mann der Polizei nie gegeben.
Drogen, Gewalt, Vorstrafen - die Vita der vier Festgenommenen aus Newburgh im Bundesstaat New York liest sich wie die Strafakte von Gewohnheitskriminellen. James Cromitie, als Kopf der Gruppe beschrieben, hat zwölf seiner 44 Lebensjahre im Knast verbracht. Zuletzt saß er ein, weil er vor einer Schule Drogen verkaufen wollte. Auch Onta Williams, 32, und David Williams, 28, sind wegen Drogendelikten vorbestraft. Laguerre Payen, 27, der offenbar an psychischen Störungen leidet, wurde wegen bewaffneten Raubes verurteilt.
In der Moschee Geld geboten
Zum Islam konvertiert, besuchte Cromitie in Newburgh eine Moschee. Dort betete nach Angaben von Imam Salahuddin Mustafa Muhammad seit 2007 auch ein Mann, der der Gemeinde verdächtig erschien: Der Fremde habe andere zum Essen eingeladen und viel "von Gewalt und Dschihad gesprochen", sagte der Imam der New York Times: "Da war etwas faul." Ein Gemeindemitglied habe erzählt, der Mann habe ihm Geld geboten, wenn er bei seinem "Team" mitmache. In der Moschee habe man ihn für einen Polizeispitzel gehalten.
Weniger argwöhnisch war offenbar Cromitie. Bald jedenfalls bemerkte auch der Besitzer von Danny's Restaurant in Newburgh, wo Cromitie sich oft mit Freunden traf, einen Fremden am Tisch: ein Asiate, um die 50, der meist die Rechnungen bezahlte. Laut US-Medien hatte das FBI den V-Mann 2002 angeworben, nachdem er wegen Finanzbetrug festgenommen worden war. Er soll sich der Gruppe als Kontaktmann einer pakistanischen Terrororganisation vorgestellt haben. Ob er einem Terrorkomplott auf die Spur kam oder selbst eines initiierte, ist unklar: Die Behörden beschreiben Cromitie als den Mann, der die Ziele in New York, auswählte. Der V-Mann besorgte laut Anklage vermeintlichen Sprengstoff und eine entschärfte Boden-Luft-Rakete, mit der die Gruppe ein Militärflugzeug habe abschießen wollen.
"Man kann sich schwer einen gruseligeren Anschlag vorstellen", erklärte Vizestaatsanwalt Eric Snyder. Wer die Idee dazu hatte, dürften die Gerichte klären.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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