kalaydo.de Anzeigen

Nicht nur der NC zählt: Wie Unis ihre Medizinstudenten aussuchen

Schon längst vergibt die Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen nur noch 40 Prozent ihrer Kapazität nach Noten oder Wartesemestern. Über den Rest entscheiden die Hochschulen selbst. Von Yvonne Globert

Sind Sie mit Ihrem Hausarzt zufrieden? Wenn ja, war er ein guter Schüler? Keine Ahnung? Ist auch nicht weiter wichtig. Ob aus einem Einserkandidaten zwangsläufig ein guter Arzt wird, weiß ohnehin niemand. Insofern folgt die Idee von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der Numerus clausus (NC) versaue möglicherweise guten Ärzten in spe den Berufseinstieg und gehöre abgeschafft, einer gewissen Logik. Das tut aber auch schon die Realität: Schon längst vergibt die Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen (ZVS) nur noch 40 Prozent ihrer Kapazität nach Noten oder Wartesemestern. Über den Rest entscheiden die Hochschulen selbst.

Indem die Bundesländer es den Unis überließen, ob sie bei der Ermittlung besonders fähiger Kandidaten verstärkt auf schulische Leistungen in den Naturwissenschaften achten, Medizinertests durchführen oder intensive Auswahlgespräche führen, stärkten sie deren Autonomie. Trotzdem klammern sich viele Hochschulen nach wie vor an einen eigenen NC: Zum einen, weil ihnen das Casting Tausender Abiturienten zu aufwendig ist. Zum anderen, weil sich an den NC eine Garantie knüpft: "Ob jemand ein guter Arzt wird, verrät die Abinote zwar nicht. Aber sie ist ein Kriterium dafür, ob jemand erfolgreich durchs Studium kommt", so die Sprecherin des Uni-Klinikums Heidelberg, Annette Tuffs.

Claus-Dieter Heidecke, Studiendekan der Medizinfakultät an der Uni Greifswald, würde ihr nicht widersprechen. Nicht einmal ein Zehntel der rund 2500 Medizinbewerber pro Semester lädt die Hochschule zum Gespräch. "Dabei wäre es mir persönlich am liebsten, wenn wir ohne NC auskämen", sagt Heidecke. Der Mediziner arbeitet in einem Bundesland, das Rösler wohl mit seinem Wunsch nach NC-Freiheit und mehr Studienplätzen vor Augen hat: Gerade hier, in der ländlichen Region, ist der durchschnittliche Arzt nicht weit von der Rente entfernt, die Suche nach Nachfolgern mühsam. Nicht wenige Studenten, die in Mecklenburg-Vorpommern ausgebildet werden, ziehe es unter dem Vorzeichen besserer Arbeitsbedingungen sogar ins Ausland, so Heidecke.

Lust aufs Land machen

Auch die Uni Greifswald will sie in der Region halten - und setzt dabei auf Wissenschaft: Vor Jahren haben sie hier das Institut für Community Medicine etabliert, an dem der Gesundheitszustand der Vorpommerschen Bevölkerung erforscht wird, um passgenaue Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge und notwendige Therapien zu entwickeln. Die angehenden Ärzte kommen früh mit Patienten in Kontakt und entwickeln so möglicherweise Lust auf ein Leben als Landarzt.

Dafür jedenfalls, findet der Generalsekretär des deutschen Wissenschaftsrates Thomas May, müssten nicht mehr Ärzte ausgebildet werden. Ihre Zahl sei bundesweit betrachtet ausreichend. Mehr junge Menschen studieren zu lassen, sei zudem teuer: Mit über 20000 Euro pro Jahr hängt die Medizin alle anderen Studiengänge kostenmäßig locker ab. Mays Überlegungen gehen in eine andere Richtung: "Warum muss jeder eine klinische und somit finanziell aufwendige Ausbildung durchlaufen, obwohl nicht jeder als Arzt arbeiten will, sondern vielleicht in der Forschung oder der Pharmaindustrie?" Hier stärker in der Ausbildung zu differenzieren, sei auch bedenkenswert.

Autor:  Yvonne Globert
Datum:  6 | 4 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!