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Nicolas Sarkozy und Angela Merkel: Französisches Liebeswerben

So ist das, wenn eine alte Liebe wieder aufflammt: Dann will man nicht mehr von einander lassen. Paris will die Bande zu Berlin enger knüpfen, Sarkozy träumt von einer europäischen Doppelspitze. Von Axel Veiel

Paris. So ist das, wenn eine alte Liebe wieder aufflammt. Dann will man nicht mehr von einander lassen. Gewiss, das Liebeswerben des französischen Präsidenten ist letztlich Politik. Aber das ändert nichts daran: Nicolas Sarkozy meint es Ernst mit der Kanzlerin und den Deutschen. Er will die enge Bande zum Nachbarland noch enger knüpfen. Er träumt davon, mit Angela Merkel als deutsch-französisches Führungsduo international mitzureden.

Und Angela Merkel ziert sich nicht. Kaum zur Kanzlerin gewählt, hat sie Sarkozy im Elysée-Palast aufgesucht. Beim EU-Gipfel haben die zwei in Brüssel gemeinsame Sache gemacht. Am heutigen 9. November gedenkt der Franzose in Berlin gemeinsam mit Merkel des Mauerfalls. Zwei Tage später fliegt sie nach Paris, gedenkt mit Sarkozy des Endes des Ersten Weltkriegs.

Der deutsch-französische Himmel hängt auf einmal voller Geigen. Alles scheint möglich. Ein gemeinsamer deutsch-französischer Minister, eine deutsch-französische Agenda für Europa, eine gemeinsame Industriepolitik. Beglückt hat man links des Rheins zur Kenntnis genommen, dass die Kanzlerin auf französischen Kurs einschwenkt und dem Wachstum zuliebe Steuern senken und mehr Schulden machen will.

Am 11. November, wenn Kanzlerin und Präsident am Pariser Triumphbogen den Jahrestag des Weltkriegsendes zum Tag der deutsch-französischen Freundschaft umfunktionieren, will das Paar verkünden, wohin die gemeinsame Reise gehen soll. Durchgesickert ist, dass Kanzleramt und Elysée bis Januar konkrete Vorschläge entwickeln sollen, wie die deutsche und die französische Gesellschaft in den Bereichen Wirtschaft, Forschung oder auch Bildung enger zusammenwachsen können.

Was zählt da schon, dass rechtsbürgerliche Parteifreunde Sarkozy vorwerfen, er habe den Tag des Waffenstillstands entweiht. Gewiss, im Frühjahr sind Regionalwahlen. Da heißt es patriotische Töne anschlagen und der Nationalen Front die Wähler abspenstig machen. Aber das Deutsch-Französische darf darunter nicht leiden. Um sich rechtsaußen keine Blöße zu geben, hat der Elysée-Palast herausgestellt, dass es die Kanzlerin sei, die den Franzosen die Ehre gebe.

Außerdem hat Sarkozy seinen Einwanderungsminister Eric Besson an die rechte Front geschickt. Der hat eine Debatte über die Marseillaise und andere Symbole französischer Identität losgetreten. Wobei es große Gesten und Geschenke nicht erst am 11. November gibt. Europaminister Pierre Lellouche richtet zwei Tage zuvor zum Gedenken des Mauerfalls ein großes Fest aus. "Auf der Pariser Place de la Concorde werden Chöre marschieren, Cellisten auf mit Graffiti geschmückte Mauerstelen steigen und für Millionen musizieren", sagt der Minister.

Einwände, dass der Mauerfall 1989 keine deutsch-französische Freundschaftsveranstaltung gewesen ist, dass etwa auch die USA eine rühmliche Rolle gespielt haben, hört er durchaus. Aber das Fest in Paris, stellt er klar, sei nun einmal ein Geschenk der Franzosen an die Deutschen.

Autor:  Axel Veiel
Datum:  9 | 11 | 2009
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