kalaydo.de Anzeigen

Niebels Bedingungen: "Glatte Erpressung"

Dirk Niebel will finanzielle Zusagen für Hilfsverbände an ihre Bereitschaft zur Kooperation mit der Bundeswehr knüpfen. Helfer wehren sich gegen diese Bedingungen. Von Andreas Schwarzkopf

Dirk Niebel will finanzielle Zusagen für Hilfsverbände an ihre Bereitschaft zur Kooperation mit der Bundeswehr knüpfen.
Dirk Niebel will finanzielle Zusagen für Hilfsverbände an ihre Bereitschaft zur Kooperation mit der Bundeswehr knüpfen.
Foto: ddp

Der Konter ließ nicht lange auf sich warten. "Das ist glatte Erpressung", sagt der Vize-Vorsitzende des Verbands Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro), Jürgen Lieser. Was ihn so auf die Palme bringt? Eine Ankündigung von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP).

Er will finanzielle Zusagen für Hilfsverbände an ihre Bereitschaft zur Kooperation mit der Bundeswehr knüpfen. Wie er das in einem Deutschlandfunk-Interview schilderte, in arrogantem und schroffem Ton, brachte ihm keine Punkte bei den NGOs.

Mit Niebels Forderung bricht ein alter Streit neu auf. Die Hilfsorganisationen scheuen die Nähe zum Militär: Es instrumentalisiere die Entwicklungshilfe zu ihren Zwecken. Wenn etwa die Internationale Schutztruppe Isaf im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit (Cimic) Schuhe an Afghanen verteile, tue sie das auch, um Vertrauen zu schaffen, und so die Sicherheit zu erhöhen.

Ohnehin sind NGOs gefährdet

Die Nichtregierungsorganisationen fürchten nicht nur um ihre Unabhängigkeit, es geht ihnen auch um die Sicherheit ihrer Beschäftigten. Sie befürchten, dass Afghanen Militär und Entwicklungshilfe gleichsetzen könnten. Dadurch wächst die Gefahr von Anschlägen. Helfer werden ohnedies häufiger Opfer von Angriffen. Das Afghanistan NGO Safety Office registrierte im vergangenen Jahr 172 Übergriffe auf Helfer, von denen 16 tödlich endeten. Aus diesem Grund halbierten die Vereinten Nationen (UN) die Zahl ihrer Mitarbeiter, andere Organisationen zogen sich aus besonders gefährdeten Regionen oder gleich ganz aus dem Land zurück.

Dennoch geht der Aufbau weiter. "Wir kommen voran", sagt etwa Andreas Clausing von der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Der Büroleiter des GTZ-Büros in Kabul verweist auf Erfolge: Städte hingen am Stromnetz, die Infrastruktur wurde ausgebaut, Lehrer ausgebildet. Doch gerade im Bildungsbereich geht es vielen nicht schnell genug, gemessen an den anfänglichen Zielen. So gehen nach offiziellen Angaben sieben der zwölf Millionen Kinder in die Schule - mehrheitlich Jungen. Immerhin wachse der Anteil der Mädchen, von elf Prozent 2007 auf 32 Prozent 2008, so Clausing.

Trotz der prekären Sicherheitslage und der teils schwierigen Arbeitsbedingungen im fünftärmsten Land der Welt seien die 60 Beschäftigten des GTZ-Büros motiviert. Nur einer habe darum gebeten, abreisen zu dürfen, nachdem am 10. Januar ein GTZ-Mitarbeiter aus bisher ungeklärten Ursachen zu Tode kam.

Überwiegend Positives berichten auch viele Polizei- und Lehrerausbilder sowie andere Helfer. Wenn Afghanen nach ersten Gesprächen und einigen Tassen Tee den Helfern erstal vertrauten, gehe vieles plötzlich schnell, was vorher gar nicht ging. Viele loben zudem das Engagement vieler Afghanen, wenn sie denn ein Projekt für sinnvoll hielten. (mit ddp)

Autor:  Andreas Schwarzkopf
Datum:  29 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!