Die Realeinkommen von Geringverdienern sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Bei Vollzeitbeschäftigten beträgt das Minus fast zehn Prozent, bei Minijobbern und Teilzeitkräften sind die Einbußen noch größer. Von den massiven Abschlägen betroffen ist keineswegs nur eine kleine Minderheit, sondern ein Viertel aller abhängig Beschäftigten.
Das oberste Viertel konnte dagegen reale Lohnzuwächse verbuchen. Besserverdienende mit Vollzeitjob schneiden mit einem Plus von fast elf Prozent besonders gut ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Forschern der Universität Duisburg-Essen, die der Frankfurter Rundschau vorliegt.
Die Studie betrachtet die Zeit zwischen 1995 und 2006. "Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Entwicklung seither umgedreht hat", sagt Mitautorin Claudia Weinkopf der FR. Zwar habe es einige gute Tarifabschlüsse gegeben, etwa in der Metallindustrie. Im Niedriglohnsektor dürfte es dagegen allenfalls geringe Zuwächse gegeben haben.
Ein wichtiger Grund für die wachsende Lohnspreizung sei die Privatisierung staatlicher Dienstleistungen wie Post, Telekommunikation und Nahverkehr, heißt es in der Studie, die morgen von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht wird. In Deutschland könnten sich neue Anbieter mit Billiglöhnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. In den meisten anderen europäischen Ländern müssten sie sich dagegen an allgemeinverbindliche Tarifverträge halten.
Weinkopf erinnert daran, dass die Telekom im vorigen Jahr rund 50 000 Beschäftigte ausgelagert und Lohnabschläge durchgesetzt hat. Als Begründung wurden die niedrigen Gehälter in privaten Konkurrenzbetrieben genannt.
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