Neuer Rückschlag für das Atomkraftprojekt im litauischen Ignalina: Bei der Suche nach einem „strategischen Investor“ für das geplante Riesenkraftwerk meldete sich nur ein brauchbarer Bieter, und nun hat auch dieser sein Angebot zurückgezogen. „Die Ausschreibung ist gescheitert“, musste Vizeenergieminister Romas Svedas am Freitag erkennen.
Das auf 3400 MW Leistung angelegte AKW sollte die beiden älteren sowjetischen Reaktoren ersetzen, die Litauen in Folge des EU-Beitritts aus Sicherheitsgründen stilllegen musste. Neben Litauen wollten sich auch Polen, Lettland und Estland an dem Bau beteiligen. Doch Streit über die Aufteilung von Kosten und Energiequoten hatten die Verhandlungen verzögert und Zweifel an der Verwirklichung des Projekts aufkommen lassen.
Mit der Ausschreibung wollte die Regierung in Vilnius Bewegung in das Unternehmen bringen, doch bei Ablauf der Frist Mitte November hatten sich nur zwei Interessenten gemeldet: ein ungenannter, dessen Angebot den Ausschreibungsbedingungen nicht entsprach, und die koreanische Electro Power Corp. (KEPCO). Die französische Botschaft widersprach Gerüchten, dass auch Électricité de France (EDF) an dem Projekt interessiert sei.
Die Regierung wollte über die „finanziell attraktive“ Offerte von KEPCO verhandeln, doch am Freitag erklärte Svedas, dass die Koreaner sich „leider zurückgezogen“ hätten. Nun wolle man „individuelle Verhandlungen mit potenziellen Investoren“ führen.
Als Gründe für den Rückzug gelten in Vilnius einerseits ein Überangebot an Atomstrom in der Region, in der auch Reaktoren in Kaliningrad und Weißrussland geplant sind, andererseits politischer Druck aus Moskau. „Russland will die Abhängigkeit Litauens von russischer Energie bewahren“, meint der Politologe Kestutis Girnius. Die russische Gazprom ist Litauens einziger Gasversorger und steht für die Hälfte des Energiebedarfs.
Im November hatte Russlands Präsident Medwedew in Seoul ein umfassendes Abkommen über Gaslieferungen an Korea und koreanische Beteiligungen an russischen Kraftwerk- und Pipeline-Bauten geschlossen. Der Verzicht auf die Investition in Ignalina könne Teil des Deals gewesen sein, heißt es in Vilnius.
Staatsrechtler Ramunas Vilpiskauskas empfiehlt der Regierung, sich nun auf den Bau von unterirdischen Kabeln für den Stromimport aus Schweden und Finnland zu konzentrieren und erneuerbaren Energieformen eine größere Rolle einzuräumen.
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