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11. Januar 2015

Nigeria Boko Haram: Anschlagsserie in Nigeria

 Von 
Die nigerianischen Extremisten von Boko Haram präsentieren sich in einem Video.  Foto: AFP

Bei mehreren Anschlägen von Selbstmordattentäterinnen in Nigeria werden mehr als 25 Menschen getötet. Für Entsetzen sorgt ein Anschlag am Samstag: Ein höchstens zehn Jahre altes Mädchen sprengt sich auf einem Markt in die Luft. Womöglich steckt Boko Haram hinter der Tat.

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Die Methoden der im Norden Nigerias operierenden extremistischen islamischen Boko-Haram-Sekte werden immer kaltblütiger. Am Samstag sprengte sich in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, ein mit einem Sprengstoffgürtel ausgerüstetes Mädchen in die Luft, das nach Zeugenaussagen höchstens zehn Jahre alt war. Bei der Explosion auf einem zentralen Markt der Stadt kamen mindestens 20 Menschen ums Leben, mehr als 20 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. „Es handelte sich um ein kleines Mädchen“, sagte ein Angestellter des örtlichen Krankenhauses gegenüber der „New York Times“: „Obwohl der Körper des Kindes sonst völlig zerfetzt wurde, ist an seinem Gesicht zu erkennen, dass es sich um eine junge Person handelte. Ein junges, hübsches Mädchen.“

Das verschleierte Mädchen hatte sich kurz nach zwölf Uhr mittags auf Maiduguris belebtem „Montags“-Markt begeben und war am Eingang des Marktes nahe der Hühnchenverkäufer von Sicherheitsleuten untersucht worden. Nachdem deren Metalldetektoren angeschlagen hatten, zündete das Mädchen den Sprengsatz und wurde von der Explosion zerrissen. Viele der Verletzten hätten lebensgefährliche Verwundungen erlitten, sodass die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigen könne, sagte ein Sprecher des örtlichen Roten Kreuzes.

Mehrfach angegriffen

Womöglich habe das Kind gar nicht gewusst, was es in Wahrheit um seinen Körper trug, meinte der Ladenbesitzer Bakura Bashir, der den Vorfall beobachtet hatte: „Das Mädchen wurde in zwei Hälften zerrissen. Teile ihres Körpers wurden über mehrere Gebäude hinweg geschleudert.“

Die Tatmotive

Die Familien der Selbstmordattentäter werden oft mit erklecklichen Summen belohnt. Die Angehörigen des ersten nigerianischen Selbstmordattentäters sollen für dessen Angriff auf das Polizeihauptquartier in Abuja mit 25 000 Dollar belohnt worden sein: mehr als zwanzig durchschnittliche Jahreseinkommen in Nigeria. Über die Motivation von minderjährigen Tätern weiß man bisher gar nichts. In Nigeria wird nichteinmal ausgeschlossen, dass dievor neun Monaten entführtenSchulmädchen, die noch immer verschwunden sind, zu Selbstmord-attentäterinnen „umerzogen“ werden. jod

Bislang übernahm die Boko-Haram-Sekte noch keine Verantwortung für den Anschlag. Doch der Markt der von den Extremisten belagerten Stadt wurde bereits wiederholt zum Angriffsziel der Sekte. Ende vergangenen Jahres töteten zwei Frauen bei zwei voneinander unabhängigen Anschlägen mehrere Dutzend Menschen auf dem Montags-Markt.

Beim Einsatz kleiner Kinder als Selbstmordattentäter handele es sich um eine weitere Eskalation des Kampfs der Sekte, zitiert die „New York Times“ einen leitenden Polizeibeamten in der Hauptstadt Abuja: „Es ist neu und es ist beunruhigend, weil wir jetzt immer auch Kinder verdächtigen müssen.“ Die Sekte, die Selbstmordattentäter zum ersten Mal vor vier Jahren bei einem Anschlag auf das Polizeihauptquartier in Abuja einsetzte, ging im Juni 2014 dazu über, auch Frauen als Selbstmörderinnen zu rekrutieren. Damals griff eine mit einem Sprengstoffgürtel versehene Motorradfahrerin eine Kaserne in der Stadt Gombe an.

Am Sonntag folgten die nächsten Anschläge: Zwei Selbstmordattentäterinnen rissen vier Menschen mit in den Tod. 21 weitere Menschen wurden verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen und von Krankenhausmitarbeitern sprengten sie sich auf einem Markt in Potiskum im Bundesstaat Yobe im Nordosten des Landes in die Luft. Eine der Attentäterinnen war den Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge erst rund 15 Jahre alt, die andere etwa 20 Jahre alt.

Da Frauen im Norden Nigerias verschleiert sind, sind sie als Täter schwer auszumachen. In muslimischen Staaten müssen Frauen auch von weiblichem Sicherheitspersonal untersucht werden, was die Logistik der Terrorbekämpfer erschwert.

Mehr dazu

Bereits im Juli des vergangenen Jahres wurde in der nigerianischen Provinzhauptstadt Katsina ein Mädchen mit einem Sprengstoffgürtel entdeckt. Das Kind versäumte es allerdings, bei seiner Enttarnung den Sprengstoff zu zünden. Der Einsatz von kindlichen Selbstmordattentätern war bislang lediglich von der Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak bekannt. (mit afp)

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