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09. August 2014

Nixon Watergate: Wie die Watergate-Krise nachwirkt

 Von Thomas Spang
US-Präsident Richard Nixon empfängt 1970 Elvis Presley im Weißen Haus.  Foto: dpa

Pünktlich zum Jahrestag des Rücktritts von US-Präsident Nixon verklagen seine Parteifreunde Obama. Die Durchtriebenheit des Republikaners fasziniert die Amerikaner bis heute.

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Lebte er noch, könnte man fast das teuflische Genie des 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten am Werke sehen. Pünktlich zum Jahrestag seines Rücktritts wegen der so gut wie sicheren Amtsenthebung durch den Kongress, verklagten Nixons Parteifreunde im Repräsentantenhaus den gegenwärtigen US-Präsidenten. Wegen was? Weil Barack Obama die Spielräume auslotet, die ihm die Verfassung gegeben hat, um die Blockadepolitik der weit nach rechts abgedrifteten Konservativen im Kongress zu umschiffen.
Dass Speaker John Boehner dem Amtsinhaber am Tag nach der Einreichung der Gerichtsunterlagen Führungsschwäche in der Krise um die Flüchtlingskinder an der Grenze zu Mexiko vorhält, zeigt, wie absurd das politische Theater ist. Dem Andenken des verblichenen Präsidenten kommt es gerade recht. Lässt es Nixons drohendes „Impeachement“ doch fast wie eine lässliche Sünde aussehen.
Genau das aber war es nicht. Kein anderer Präsident im 20. Jahrhundert musste das Oval Office räumen. Weder Ronald Reagan (Iran-Contra-Affäre) noch Bill Clinton (Monika-Lewinsky- Affäre) oder George W. Bush, der einen Krieg gegen Irak anzettelte. Vor vierzig Jahren durchlebten die USA eine echte Verfassungskrise, die durch den skrupellosen Machtmissbrauch Nixons ausgelöst worden war. Selbst vor Verbrechen schreckte der Präsident nicht zurück. Stichwort Watergate.
Am 17. Juni 1972 brachen fünf Männer in die Wahlkampf-Büros der Demokraten im Watergate-Komplex ein. Die Polizei erwischt die Einbrecher und stellt Verbindungen zum Weißen Haus fest. Es kommt heraus, dass die Telefone der demokratischen Wahlkampf-Manager abgehört worden waren und enge Mitarbeiter Nixons ihre Finger im Spiel hatten. Die hartnäckige Aufklärung durch die beiden legendären „Washington Post“-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein brachte die Details einer Verschwörung zutage und führte zur Untersuchung durch den Kongress. Derweil versuchte Nixon aktiv Spuren zu verwischen. Alles andere ist Geschichte.
Mitschnitte im Weißen Haus
Dass vor dem Jahrestag des Rücktritts Menschen vor dem Verlagshaus der „Washington Post“ Schlange stehen, um Zeitzeugen zu hören, US-Fernsehsender Dokumentationen ausstrahlen und mehrere Bücher erscheinen, zeigt wie sehr die damalige Krise bis heute nachwirkt.
Nixons ehemaliger Berater John W. Dean, der sich als Kronzeuge gegen den Präsidenten stellte, leistet Wiedergutmachung mit der Auswertung Hunderter Stunden an bisher nicht abgehörten Gesprächen seines früheren Chefs. Der hatte in seinem Kontrollwahn den Auftrag erteilt, ein sprachaktiviertes System zu installieren, das alle Konversationen im Weißen Haus mitschnitt.
Das Ergebnis findet sich in einem neuen Buch mit dem etwas irreführenden Titel „The Nixon Defense“. Denn was Dean vorlegt ist alles andere als eine Verteidigung, sondern die akribische Überführung eines Mannes, der vor wenig zurückschreckte, seine Macht zu erhalten. Zu den bekannten 250 „Nixon Tapes“ fügt Dean die Transkripte 600 weiterer Gespräche hinzu.
Wer sich durch die Hunderten Seiten durcharbeitet versteht intuitiv, warum es am Ende nebensächlich ist, ob Nixon explizit den Auftrag zum Einbruch erteilt hat. Dass die Männer in seinem Sinne handelten, steht außer Frage. Was erklärt, warum der Präsident damals so sehr versuchte, Spuren zu verwischen, die ins Weiße Haus führen könnten. Nicht der eigentliche Einbruch, sondern der versuchte „Cover-up“ wurden ihm zum Verhängnis.
„Nixon war der Organisator und die treibende Kraft hinter Watergate“, sagt Bob Woodward, der mit seinen unermüdlichen Recherchen viel zur Aufdeckung des Skandals beigetragen hat. „Die Beweise der früheren Mitschnitte, die Zeugenaussagen der Abhörungen und Prozesse und die Memoiren seiner engsten Mitarbeiter machen das klar“, meint der Starjournalist. „Deans Buch besiegelt dieses Ergebnis vielleicht für immer.“

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