Die Überraschung ist geglückt: Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Europäische Union, ausgerechnet. So hat es das norwegische Nobelpreiskomitee am Freitagvormittag verkündet. Die Integration von 27 EU-Staaten gelte als Musterbeispiel für die friedliche Konfliktlösung, hieß es zur Begründung aus Oslo. Sie sei ein erfolgreiches Friedensprojekt. Mit der Erweiterung der Europäischen Union nach Ende des Kalten Krieges sei es gelungen, den Gegensatz zwischen Ost und West zu überwinden und die Demokratie allgemein zu stärken, erklärte das Komitee. Die EU symbolisiere auf vorbildliche Weise den Gedanken der Völkerverständigung.
Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hat den Friedensnobelpreis für die Europäische Union als „große Ehre für die gesamte EU“ bezeichnet. „Es ist eine große Ehre für die gesamte EU, alle 500 Millionen Bürger, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden“, erklärte Barroso am Freitag über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.
Die Norwegischen Juroren verbinden damit einmal mehr ein wichtiges politisches Signal mit ihrer Auszeichnung. Im vergangenen Jahr hatten sie drei engagierte Afrikanerinnen – Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, ihre Landsfrau Leymah Gbowee sowie Tawakkul Karman aus dem Jemen – für ihren gewaltfreien Kampf für die Rechte und Sicherheit von Frauen in ihren Ländern, 2010 den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo und vor drei Jahren US-Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis für dessen diplomatische Initiativen verliehen.
Die renommierte Ehrung erreicht die Europäische Union zu einem Zeitpunkt, in der mehr und mehr Nationalstaaten das Bündnis infrage stellen. Die Folgen der Finanzkrise in Europa und der Schwäche des Euro wirkt sich auf die Solidarität in einigen EU-Ländern aus. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) früh verkündet – und damit mittelbar auch die europäische Integration aufs Spiel gesetzt. Inzwischen versuchen einige EU-Staaten, die Integration forciert voranzutreiben, während Länder wie Großbritannien, Ungarn oder die Tschechische Republik in einer noch engeren Zusammenarbeit kritisch gegenüberstehen.
Wer wird dieses Jahr den Friedensnobelpreis bekommen? Eine mit Spannung erwartete Frage. Thorbjoern Jagland lüftet das Geheimnis.
Foto: dapdUmso stärker dürften sich die Mitglieder, aber auch die Bürokraten in Brüssel, über die Auszeichnung freuen. „Das ist eine großartige Entscheidung, die mich stolz und glücklich macht“, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in einer ersten Reaktion. „Der Nobelpreis ist uns großer Ansporn, jetzt erst recht unsere eigenen Probleme zu lösen, mit unserem europäischen Modell der Kooperation Beispiel zu geben und unsere europäischen Anstrengungen für eine friedliche Entwicklung der Welt noch zu verstärken.“
Der Preis ist mit knapp einer Million Euro dotiert und wird am 10. Dezember in Oslo überreicht.
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