Kurz nach der überraschenden Entmachtung von Armeechef Ri Yong Ho hat das Regime im kommunistischen Nordkorea den Kreis seiner Vize-Marschälle der mächtigen Volksarmee erweitert. Armeegeneral Hyon Yong Chol wurde der Titel eines Vize-Marschalls verliehen, wie die Staatsmedien am Dienstag berichteten.
Den Berichten zufolge wurde Hyon der Titel am Montag durch die zentrale Militärkommission der herrschenden Arbeiterpartei und der Nationalen Verteidigungskommission verliehen, deren erster Vorsitzender der neue Machthaber Kim Jong Un ist. Der neue Vize-Marschall war im September 2010 zum General befördert worden.
Die Entscheidung löste im Nachbarland Südkorea sofort Spekulationen aus, er könne Ri als Generalstabschef nachfolgen.
Dem bisherigen Armeechef Ri wurden am Sonntag nach offiziellen Angaben von der Arbeiterpartei alle Ämter entzogen. Als Begründung wurde eine nicht weiter beschriebene Erkrankung genannt. Im Ausland wurde vermutet, dass ein interner Machtkampf in Pjöngjang herrschen könnte. Der knapp 30-jährige Kim Jong Un war erst vor rund einem halben Jahr nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il im Dezember zum neuen Machthaber ausgerufen worden. Ri galt als enger Vertrauter des Vaters. Die Aufgabe des Armeechefs wurde unter anderem darin gesehen, Kim Jong Uns Stellung in der Armee zu stärken.
Daniel Pinkston von der Internationalen Krisengruppe (ICG) sagte am Montag, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass Ri geschasst worden sei. Der 69-Jährige war Chef des Generalstabs und Vize-Marschall der Koreanischen Volksarmee. Damit nahm er im Machtgefüge des kommunistischen Staats eine Schlüsselposition ein.
Der im Ausland wenig bekannte Hyon Yong Chol ist bereits die vierte Person, die von Staatschef Kim Yong Un seit dem Tod seines Vaters zum Vize-Marschall ernannt wurde. Beobachter vermuten, dass Kim seinen Machtapparat umbaut. Hong Hyun Ik, Experte des privaten südkoreanischen Sejong-Instituts, sprach von einem Generationswechsel. Er erwarte, dass in den kommenden Wochen weitere Altkader ihre Posten räumen müssen.
Unter Kim Jong Il blieben führende Funktionäre üblicherweise bis zu ihrem Tod im Amt.
Die Koreanische Halbinsel ist seit 1953 in Nord- und Südkorea geteilt, als ein Waffenstillstand die Kampfhandlungen im Koreakrieg beendete. 2010 wurden vier Südkoreaner durch einen nordkoreanischen Artillerieangriff getötet. Im April scheiterte der Test einer nordkoreanischen Langstreckenrakete. Die innerkoreanische Grenze gilt als die am schwersten bewaffnete der Welt. (dapd/dpa)
Rund ein halbes Jahr nach dem Machtwechsel in Nordkorea hat das Regime Landes überraschend Armeechef Ri Yong Ho entlassen. Foto: Made Nagi
Philip Meuser, Architekt aus Berlin, hat die nordkoreanische Hauptstadt bereist und einen Architekturführer herausgegeben. Das Buch vermittelt einen Einblick in die schwer zugängliche Stadt.
Den Auftakt der Kwangbok-Straße, eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, bilden zylindrische Wohntürme und wellenförmige Wohnriegel, die an Le Corbusier erinnern.
Foto: Philipp MeuserBombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.