kalaydo.de Anzeigen

Nordkorea: Der Geliebte Führer im Glassarg

Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong Il. Und während sein Nachfolger Kim Jong Un am Glassarg des "Geliebten Führers" trauert, werden immer neue Gerüchte über dessen Tod verbreitet.

Der Leichnam Kim Jong Ils wurde in einem Glassarg aufgebahrt. Sohn Kim Jong Un machte ihm zuerst seine Aufwartung.
Der Leichnam Kim Jong Ils wurde in einem Glassarg aufgebahrt. Sohn Kim Jong Un machte ihm zuerst seine Aufwartung.
Foto: dapd
Peking –  

Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. "Aber wer war wirklich in der Kiste?", fragt ein chinesischer Blogger. "Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus."

Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren, der am Montag bekannt geworden war. Millionenfach wird derzeit ein Clip aus dem Film "Team America" verlinkt, in dem eine Kim-Marionette ihre Einsamkeit besingt.

Verschwörungstheoretiker malen sich aus, ob Kim ermordet worden sei oder womöglich noch lebe. Mystiker sinnieren darüber, was es bedeutet, dass Kim im gleichen Alter gestorben ist wie Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi und Iraks Saddam Hussein: mit 69 Jahren.

Stricken am Personenkult

Der Kult um Kim Jong Il

Bildergalerie ( 9 Bilder )

Propagandafotos: Kim und das Ding

Bildergalerie ( 15 Bilder )

Nordkorea trauert um Machthaber Kim Jong Il

Bildergalerie ( 14 Bilder )

So wenig die Welt dem Kim nachweint, so sehr tun es seine Landsleute. Bis zum 29. Dezember sollen die Nordkoreaner um den „Geliebten Führers“ trauern, hat die Regierung angeordnet. Kims Leichnam wurde am Dienstag in einem Glassarg aufgebahrt. Sein jüngster Sohn und Nachfolger Kim Jong Un machte dem Toten dort als erster seine Aufwartung, begleitet von ranghohen Funktionären der Arbeiterpartei. Der Propagandaapparat, der dem jungen Kim bisher wenig Beachtung geschenkt hatte, scheint um den neuen Herrscher nun einen ähnlichen Persönlichkeitskult aufbauen zu wollen wie um seinen Vater und Großvater, Staatsgründer Kim Il Sung. Kim Jong Un sei „als großartige Persönlichkeit vom Himmel geboren", berichtete die Nachrichtenagentur KCNA. Wie sein Vater soll er am heiligen Berg Paekdu das Licht der Welt erblickt haben. Die Parteizeitung „Rodong Sinmun" bezeichnete ihn als „geistigen Pfeiler und Leuchtturm der Hoffnung" für Militär und Volk.

Was Kims Tod tatsächlich für die Machtverhältnisse in Nordkorea bedeutet, ist für Außenstehende bisher rätselhaft. Nachdem das nordkoreanische Militär am Montag wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kims Tod zwei Kurzstreckenraketen ins Meer geschossen hatte, kam es am Dienstag nicht zu erneuten Provokationen. Südkorea, das sich mit dem Norden seit dem Koreakrieg (1950 – 1953) formell noch immer im Kriegszustand befindet, zeigte sich seinerseits bemüht, aggressive Signale zu vermeiden. Die Regierung sprach den Nordkoreanern ihr Mitgefühl aus.

Versöhnliche Geste aus dem Süden

Zwar will Seoul keine offizielle Delegation zum Staatsbegräbnis am 28. Dezember schicken. Als versöhnliche Geste sollen aber Angehörigen des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung, der sich im Rahmen der Sonnenschein-Politik um eine Annäherung der beiden Koreas bemüht hatte, nach Pjöngjang reisen dürfen. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Kwan Jin erklärte außerdem, man werde christliche Gruppierungen, die an der innerkoreanischen Grenze große Leuchtinstallationen in Form von Weihnachtsbäumen aufbauen wollten, von ihrem Vorhaben abzubringen versuchen. Der Norden hatte dies als „psychologische Kriegsführung" verurteilt.

Nichtsdestotrotz hat der Süden eine Reihe von Notfallplänen aktiviert. Neben dem Militär wurden auch Energieunternehmen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Sie sollen Szenarien für einen möglichen Angriff auf Südkoreas Energieinfrastruktur durchspielen. Gleichzeitig wappnen sich südkoreanische Internetspezialisten für mögliche Hackerangriffe aus dem Norden.

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  20 | 12 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!