Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong Il. Und während sein Nachfolger Kim Jong Un am Glassarg des "Geliebten Führers" trauert, werden immer neue Gerüchte über dessen Tod verbreitet.
Der Leichnam Kim Jong Ils wurde in einem Glassarg aufgebahrt. Sohn Kim Jong Un machte ihm zuerst seine Aufwartung.
Foto: dapd
Der Leichnam Kim Jong Ils wurde in einem Glassarg aufgebahrt. Sohn Kim Jong Un machte ihm zuerst seine Aufwartung.
Foto: dapd
Peking –
Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. "Aber wer war wirklich in der Kiste?", fragt ein chinesischer Blogger. "Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus."
Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren, der am Montag bekannt geworden war. Millionenfach wird derzeit ein Clip aus dem Film "Team America" verlinkt, in dem eine Kim-Marionette ihre Einsamkeit besingt.
Verschwörungstheoretiker malen sich aus, ob Kim ermordet worden sei oder womöglich noch lebe. Mystiker sinnieren darüber, was es bedeutet, dass Kim im gleichen Alter gestorben ist wie Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi und Iraks Saddam Hussein: mit 69 Jahren.
Der Kult um Kim Jong Il
Bildergalerie ( 9 Bilder )
Eines der seltenen Familienbilder zeigt Kim Jong Il mit Schwester und Kindern. Aufgenommen wurde es angeblich am 19. August 1981, aber so genau weiß das niemand. Veröffentlicht wurde es erst vor einiger Zeit.
Foto: AFP
Proteste gegen den Diktator entzünden sich immer wieder im Nachbarland Südkorea, wie hier in Pusan im Oktober 2004. Damals richtete sich der Protest auch gegen den südkoreanischen Präsidenten Roh Moo-hyun und dessen zurückhaltenden Kurs gegenüber Nordkorea.
Foto: X01368
Mit Triumphmärschen und Militärparaden inszeniert sich die Führung Nordkoreas gerne selbst. Besonders pompös geriet die Feier zum 60. Geburtstag des Landes in Pyongyang im September 2008. Nur Kim Jong Il fehlte - der Beginn der Spekulationen um seinen Gesundheitszustand.
Foto: REUTERS
Eine südkoreanische Frau trauert auf dem Nationalfriedhof von Seoul am Grab eines Gefallenen aus dem Korea-Krieg. Als sich im Jahr 2000 erstmals nach fast 50 Jahren wieder die Staatschef von Nord und Süd treffen, keimt Hoffnung auf eine Annäherung. Sie bleibt bis heute vergebens.
Foto: AFP
Auch im Juni 2007 protestieren in Seoul anlässlich des 57. Jahrestages des Korea-Krieges wieder Tausende gegen die Diktatur im Nachbarland. Formell befinden sich beide Länder nach wie vor im Krieg, weil die Kampfhandlungen 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand endeten, nicht mit einem Friedensvertrag.
Foto: REUTERS
Auf der anderen Seite der Grenze präsentiert Nordkorea derweil weiter seine vermeintliche militärische Macht. 25000 Menschen halten im Oktober 2000 in Pyongyang exakt choreografiert Karten in die Höhe, als die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright das Land besucht.
Foto: AFP
Abseits der Machtdemonstrationen versinkt das Land in bitterer Armut. Wie hier auf den Feldern nahe der Baekdu-Berge ist die Landbevölkerung auf landwirtschaftliche Erträge angewiesen, für deren Produktion allerdings nur vollkommen veraltete Geräte zur Verfügung stehen.
Foto: AFP
Den Diktator störte das alles nicht. Kim Jong Il (Mitte) trotzte, auch sinnbildlich auf offiziellen Aufnahmen wie dieser vom November 2009, allen Widrigkeiten. Verlassen konnte er sich dabei vor allem auf den Verbündeten China, der (auf dem Bild links neben Kim vertreten von Verteidigungsminister Liang Guanglie) fest an Nordkoreas Seite steht.
Foto: AFP
Mehr als eine Million Menschen versammeln sich am 11. Januar 2003 auf dem Kim Il Sung Platz in Pyongyang, nachdem Nordkoreas Führung den Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag bekannt gegeben hat. Die Entscheidung markiert einen Höhepunkt der Isolierung des Landes und schürt den Konflikt mit den USA.
Foto:
dpa
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Linkspartei in der Krise
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Propagandafotos: Kim und das Ding
Bildergalerie ( 15 Bilder )
Propagandafotos: Kim und das Ding
Haushaltsgeräte-Fabrik in der Hauptstadt Pjöngjang.
Foto: REUTERS
Eine Hühnerfarm in der nördlichen Pyongan-Provinz.
Foto: AFP
Schuladen im Kunststoffwerk in der südlichen Hamkyong Provinz.
Neu eröffnetes Reformhaus in Pjöngjang.
Brotfabrik in der Hauptstadt.
Foto: dapd
Getränkefabrik in Pjöngjang.
Baumwollfarm der Nordkoreanischen Volksarmee.
Foto: AFP
Lebensmittel-Fabrik in Hoeryong, nördliche Hamgyong Provinz.
Foto: dapd
Magnesium-Fabrik Tanchon in der südlichen Hamgyong Provinz.
Foto: dapd
Sonhung-Lebensmittel-Fabrik in Pjöngjang.
Foto: dapd
Huichon-Seidenspinnerei in der Jagang-Provinz.
Kaugummi-Fabrik in der Hauptstadt.
Foto: REUTERS
Kücheninspektion in einem Trainingzentrum für Armeeoffiziere.
Foto: AFP
Neu eröffneter Diät-Laden in Pjöngjang.
Foto: AFP
Im Soja-Saucen-Laden in der Lebensmittel-Fabrik in Pjöngjang.
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Linkspartei in der Krise
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Nordkorea trauert um Machthaber Kim Jong Il
Bildergalerie ( 14 Bilder )
Nordkorea trauert um Machthaber Kim Jong Il
Nordkoreas machthaber Kim Jong Il (M) zeigt sich mit seinem potentiellen nachfolger, seinem Sohn Kim Jon Un (R) bei einem besuch der Luftwaffe. Foto: Yon Hap
Der nordkoreanische Militärmachthaber Kim Jong Il ist tot. Foto: stf
Der gesundheitlich angeschlagene Machthaber Kim Jong Il (Im Vordergrund) hatte zuletzt die Übertragung der Macht an seinen Sohn Kim Jong Un (2.v.l.) vorangetrieben. Foto: North Korean News Agency KCNA
Menschen in Südkoreas Hauptstadt Seoul verfolgen die Nachricht von Kim Il Jongs Tod auf dem Bildschirm. Foto: Yonhab
Chinesische Nachrichtenmagazine zeigen am 07.12.2010 das Bild von Kim Jong Un. Foto: Adrian Bradshaw
Nordkoreas Machthaber Kim Il Jong bei einem Besuch der Volksarmee. Foto: North Korean agency KCNA
Nordkoreas Machthaber trifft Chinas Präsident Hu Jintao im Mai 2010 in China. Foto: Korean Central News Agency (KCNA)
Seltener Staatsbesuch: Noch im August 2011 besuchte Kim Jong Il Russlands Präsidenten Medwedew. Foto: Dimitry Astakovh
Über Pjöngjang ragt der Turm des 105 Stockwerke hohen Ryugyong-Hotels. Vorn fließt der Taedong-Fluss. Foto: Ulrike John
Vorne hui - hinten ...: Ein seltenes Foto von einem Wohngebiet in der Hauptstadt Pjöngjang. Foto Ulrike John
Alltag in Nordkorea: Bauern schieben einen Karren an einer Autofabrik außerhalb von Nampo vorbei. Foto: Adrian Bradshaw
Zackig: Nordkoreanische Soldatinnen feiern den 65. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei im Oktober 2010. Foto: Toran/Archiv
Angehörige der nordkoreanischen Botschaft in Peking setzen die Nationalflagge auf Halbmast. Foto: Yonhap
Tränen: Die Menschen in Pjöngjang beweinen den Tod des Machthabers Kim Jong Il. Foto: Kyodo
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Linkspartei in der Krise
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
So wenig die Welt dem Kim nachweint, so sehr tun es seine Landsleute. Bis zum 29. Dezember sollen die Nordkoreaner um den „Geliebten Führers“ trauern, hat die Regierung angeordnet. Kims Leichnam wurde am Dienstag in einem Glassarg aufgebahrt. Sein jüngster Sohn und Nachfolger Kim Jong Un machte dem Toten dort als erster seine Aufwartung, begleitet von ranghohen Funktionären der Arbeiterpartei. Der Propagandaapparat, der dem jungen Kim bisher wenig Beachtung geschenkt hatte, scheint um den neuen Herrscher nun einen ähnlichen Persönlichkeitskult aufbauen zu wollen wie um seinen Vater und Großvater, Staatsgründer Kim Il Sung. Kim Jong Un sei „als großartige Persönlichkeit vom Himmel geboren", berichtete die Nachrichtenagentur KCNA. Wie sein Vater soll er am heiligen Berg Paekdu das Licht der Welt erblickt haben. Die Parteizeitung „Rodong Sinmun" bezeichnete ihn als „geistigen Pfeiler und Leuchtturm der Hoffnung" für Militär und Volk.
Was Kims Tod tatsächlich für die Machtverhältnisse in Nordkorea bedeutet, ist für Außenstehende bisher rätselhaft. Nachdem das nordkoreanische Militär am Montag wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kims Tod zwei Kurzstreckenraketen ins Meer geschossen hatte, kam es am Dienstag nicht zu erneuten Provokationen. Südkorea, das sich mit dem Norden seit dem Koreakrieg (1950 – 1953) formell noch immer im Kriegszustand befindet, zeigte sich seinerseits bemüht, aggressive Signale zu vermeiden. Die Regierung sprach den Nordkoreanern ihr Mitgefühl aus.
Versöhnliche Geste aus dem Süden
Zwar will Seoul keine offizielle Delegation zum Staatsbegräbnis am 28. Dezember schicken. Als versöhnliche Geste sollen aber Angehörigen des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung, der sich im Rahmen der Sonnenschein-Politik um eine Annäherung der beiden Koreas bemüht hatte, nach Pjöngjang reisen dürfen. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Kwan Jin erklärte außerdem, man werde christliche Gruppierungen, die an der innerkoreanischen Grenze große Leuchtinstallationen in Form von Weihnachtsbäumen aufbauen wollten, von ihrem Vorhaben abzubringen versuchen. Der Norden hatte dies als „psychologische Kriegsführung" verurteilt.
Nichtsdestotrotz hat der Süden eine Reihe von Notfallplänen aktiviert. Neben dem Militär wurden auch Energieunternehmen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Sie sollen Szenarien für einen möglichen Angriff auf Südkoreas Energieinfrastruktur durchspielen. Gleichzeitig wappnen sich südkoreanische Internetspezialisten für mögliche Hackerangriffe aus dem Norden.