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06. Januar 2016

Nordkorea: Kim zündelt wieder - aber womit?

 Von Finn Mayer-Kuckuk
Nordkoreas Führer Kim Jong-un blickt in eine atomare Zukunft.  Foto: dpa

Nordkoreas Machthaber demonstriert, dass er die nukleare Aufrüstung fortsetzen will. Experten zweifeln jedoch daran, dass beim Atomtest tatsächlich eine Wasserstoffbombe gezündet wurde, wie von Nordkorea behauptet.

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Die Stimme der Nachrichtensprecherin überschlägt sich fast vor Begeisterung, dann geht sie ins Pathos über: „Unser Land hat eine miniaturisierte Wasserstoffbombe getestet und damit seine atomare Macht auf eine neue Stufe gehoben!“ Was Nordkorea mit so viel Stolz verkündet, versetzt seine Nachbarländer in Unruhe: Der junge Machthaber Kim Jong-un demonstriert, dass er die nukleare Aufrüstung fortsetzen will.

Nordkorea ist am Mittwoch offensichtlich zum vierten Mal ein Atomtest gelungen. Erdbebenwarten weltweit haben Erschütterungen aufgefangen, die auf die Detonation einer Atombombe hinweisen. Experten zweifeln jedoch daran, ob es sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt hat. Das Erdbeben war dafür nicht stark genug; außerdem sind die technische Fähigkeiten Nordkoreas dafür vermutlich noch nicht weit genug entwickelt. Nordkorea testet seine Bomben unterirdisch – Fernsehbilder von der Explosion selbst gibt es nicht.

Sämtliche Nachbarländer und die Weltgemeinschaft reagierten entsetzt über den neuen Atomtest. Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye nannte das Verhalten des Nordens eine „Provokation und eine schwere Bedrohung für Frieden und Stabilität“ in Asien. „Nordkorea wird einen Preis dafür zahlen müssen.“ Japans Regierungschef Shinzo Abe nannte den Test eine „schwere Bedrohung“ für sein Land.

Viel schwerer wiegt jedoch die Kritik aus China, dem letzten verbliebenen Verbündeten Nordkoreas. Peking hatte zuletzt darauf gedrängt, Abrüstungsverhandlungen zwischen Nordkorea sowie Russland, Südkorea, Japan und den USA wieder aufzunehmen. Die Chance für die Fortsetzung dieser Sechsparteiengespräche liegt nun bei Null. Pjöngjang hat Peking damit übel vor den Kopf gestoßen. „Die Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen beiden Ländern können ziemlich schlecht sein“, sagt Zhang Liangui, Nordkorea-Experte an der Zentralen Parteischule in Peking. „Es handelt sich dabei um einen Verstoß gegen das Vorhaben, die koreanische Halbinsel zu einer kernwaffenfreien Zone zu machen.“ Chinas Staatsmedien spielten den Test am Mittwoch herunter, um Kim den Propagandaerfolg zu nehmen.

Machthaber Kim meint es derweil bitter ernst mit dem Aufbau eines nuklearen Arsenals. „Seinem Vater, Kim Jong-il, ging es mit seinen Atomtests noch in erster Linie darum, Verhandlungsmasse zu gewinnen“, sagt Narushige Michishita, Nordkorea-Experte am National Graduate Institute for Policy Studies (Grips) in Tokio. Der ältere Kim habe sich regelmäßig durch Wirtschaftshilfe dazu bringen lassen, das Nuklearprogramm wieder auf Eis zu legen. Der Sohn wolle das Programm jedoch konsequent durchziehen, um das Ausland wirksam bedrohen zu können. Nur darin sieht er eine Möglichkeit, seine Macht im In- und Ausland zu behaupten. Der wichtigste Aspekt ist dabei laut Michishita die Verehrung, die das eigene Volk ihrem „respektierten Führer“ Kim Jong-un entgegenbringt. Die Propaganda stellt den Machthaber als Garant für die Freiheit des Landes dar: Er schütze die Bürger mit mächtigen Atomwaffen vor Eroberung, Demütigung und Sklaverei.

Explosion einer Wasserstoffbombe über dem Enewetak-Atoll im Pazifik im November des Jahres 1952.  Foto: dpa

Trotz jahrzehntelanger Anstrengungen gelang Nordkorea erst 2006 der Test einer Plutonium-Bombe. Ein entscheidendes Element fehlt Nordkorea jedoch zur echten Atommacht: Eine Trägerrakete, die die Massenvernichtungswaffen in weit entfernte Ziele tragen kann. Das Land verfügt zwar über Raketen, die den Weltraum erreichen können. Die Bomben selbst sind jedoch noch zu groß, um daraufzupassen. Es ist technisch aufwendig, sie zu verkleinern.

Noch aufwendiger ist die Entwicklung einer Wasserstoffbombe. Während eine Atombombe auf dem Prinzip der Kernspaltung basiert, verschmelzen bei der Explosion einer Wasserstoffbombe die beteiligten Atomkerne. Dabei wird wesentlich mehr Energie frei als bei der Kernspaltung. Die USA und Russland haben jahrelang mit gewaltigem Aufwand daran geforscht, solche Fusionsbomben zu bauen.

Chinesische Analysten zweifeln am plötzlichen Sprung auf die nächste Stufe der technischen Entwicklung. „Das Muster der seismischen Aktivität weist allerhöchstens auf einen simpleren Typ hin, eine durch Fusion lediglich verstärkte Atombombe“, sagt Du Wenlong von der Akademie für Militärwissenschaft der Volksbefreiungsarmee. Erdbebenwarten weltweit, auch in Deutschland, haben Erschütterungen mit einer Magnitude zwischen 4,9 und 5,1 gemessen. Das ist genauso viel wie beim vorigen nordkoreanischen Test. „Eine vollwertige Wasserstoffbombe würde dagegen ein um Größenordnungen stärkeres Beben auslösen“, sagt Du.

Das nordkoreanische Regime riegelt das Land fast vollständig von der Weltgemeinschaft ab. Seit 1948 regiert dort die Familie Kim. Kim Jong-un, Anfang 30 soll Physik studiert haben und ist seit dreieinhalb Jahren an der Macht.

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