Das Thema Nordkorea wird unter US-amerikanischen Diplomaten herumgereicht wie der Schwarze Peter, denn im Atomwaffenkonflikt mit Kim Jong Il kann Washington erfahrungsgemäß nichts gewinnen und einiges verlieren.
US-Präsident Barack Obama will dem Tyrannen von Pjöngjang nun keine Gelegenheit mehr geben, mit der Supermacht Katz und Maus zu spielen. Zum Abschluss seiner Asienreise vereinbarte er am Donnerstag in Seoul mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Lee Myung Bak eine neue Strategie: einen sogenannten "Grand Bargain" - einen "Großen Handel". Damit soll der Atomwaffenkonflikt in einem einzigen Schritt beigelegt werden und Nordkorea im Gegenzug für den endgültigen Verzicht auf Atomwaffen massive Wirtschaftshilfe erhalten.
Bisher hatte Kim sich stets für Teilschritte mit Hilfsgütern wie Lebensmittel oder Öl bezahlen lassen, nur um dann jedes Mal nach erhaltener Lieferung die Vereinbarungen wieder aufzukündigen. Kritiker warnen, dass Hilfsgüter in erster Linie Pjöngjangs Regimeeliten zugutekommen, nicht dem notleidenden Volk.
Jahrelang hatte Nordkorea bestritten, neben Plutonium heimlich auch Uran zur Herstellung von Atomwaffen anzureichern. Als der UN-Sicherheitsrat im Juni nach Nordkoreas Atomwaffentest schärfere Sanktionen beschloss, drohte Pjöngjang offen damit, die Urananreicherung voranzutreiben und Plutonium aus abgebrannten Kernbrennstäben zu gewinnen.
"Die Tür für eine friedliche Lösung dieses Problems ist offen", erklärte Obama in Seoul. Die Sanktionen können zurückgefahren und Nordkorea ein integriertes Mitglied der Weltgemeinschaft werden. "Aber dazu wird es nur kommen, wenn Nordkorea im Zusammenhang mit seinem Nuklearproblem ernsthafte Schritte unternimmt", sagte der Präsident, der als Oberbefehlshaber auch die über 28.000 US-Soldaten kommandiert, die zum Schutz der innerkoreanischen Grenze in Südkorea stationiert sind.
Obama und Lee forderten von Kim eine schnelle Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche. Details für die Rückkehr zu der seit 2008 ausgesetzten Pekinger Sechserrunde, der neben den beiden Koreas die USA, China, Japan und Russland angehören, soll Obamas Sondergesandter Stephen Bosworth aushandeln, der am 8. Dezember erstmals nach Nordkorea reisen soll. Direkte Gespräche mit Washington waren Pjöngjangs Voraussetzung für neue Denuklearisierungsverhandlungen.
China, Nordkoreas engster Verbündeter, befürwortete Bosworths Reise. "Wir unterstützen und begrüßen den amerikanisch-nordkoreanischen Dialog in der Hoffnung, dass er zur schnellstmöglichen Wiederaufnahme der sechsseitigen Verhandlungen zum Atomproblem der Koreanischen Halbinsel und zur Festigung des Friedens und der Stabilität in der Region beitragen wird", sagte Pekings Außenamtssprecher Qin Gang. Allerdings ist unklar, auf wessen Seite China im Nordkoreakonflikt steht. Die Volksrepublik hat im Nachbarland starke wirtschaftliche und geopolitische Interessen. Deswegen wurde in Peking Anfang der Woche nicht nur Obama empfangen, sondern zeitgleich auch eine Militärdelegation aus Pjöngjang.
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