Kim Jong Il provoziert die Welt, und das gleich doppelt: Nordkorea hat am Montag zum zweiten Mal eine Atombombe getestet und kurz darauf zwei Kurzstreckenraketen gestartet. Pjöngjangs offizielle Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete den unterirdischen Nukleartest als Erfolg. Er sei "Teil der Maßnahmen, die abschreckende atomare Selbstverteidigung in jeder Weise zu stärken", hieß es in der Meldung. Der Test inspiriere die Armee und das Volk und intensiviere die revolutionären Bemühungen, so der Propagandatext weiter.
Bei den Raketen soll es sich nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap um Boden-Luft-Raketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern gehandelt haben, die von der Basis Musudan-ri aus ins Meer geschossen wurde. Eine Resolution der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2006, mit der die Staatengemeinschaft auf Nordkoreas ersten Atombombentest reagiert hatte, verbietet dem Land alle Versuche mit Nuklearwaffen und ballistischen Raketen.
Interaktive Grafik: Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm
Geologen verschiedener Länder bestätigten, dass in einer Bergregion im Nordosten des Landes eine Erschütterung gemessen worden sei, die auf einen Atomtest schließen lasse. US-Forscher registrierten ein Beben der Stärke 4,7 auf der Richterskala in einer Tiefe von zehn Kilometern. Südkoreanische Seismologen ermittelten für die Erdstöße einen Wert von 4,5. Russische und deutsche Experten erklärten, die Erschütterungen entsprächen einer Detonation von zehn Kilotonnen TNT und seien so weitaus stärker als bei Nordkoreas erstem Test im Oktober 2006. Damals waren westliche Experten zu dem Schluss gekommen, dass die Explosion nur ein Teilerfolg gewesen sei und womöglich der Zündmechanismus nicht funktioniert habe. Ob es sich wirklich um einen Nukleartest gehandelt hat, werden internationale Experten allerdings erst in einigen Tagen mit letzter Gewissheit bestimmen können, wenn in der Luft radioaktive Spaltprodukte oder freigesetztes Xenon gemessen werden können.
Südkoreas Präsident Lee Myung Bak rief sein Sicherheitskabinett zusammen. Das Verteidigungsministerium in Seoul richtete einen Krisenstab ein und ließ erklären, für den Atomtest gebe es zwar keine offizielle Bestätigung, er sei aber sehr wahrscheinlich. Die Truppen an der innerkoreanischen Grenze wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.
Mit den Tests macht Pjöngjang seine Mitte April ausgesprochene Drohung wahr, das 2007 im Rahmen der Sechs-Parteiengespräche vereinbarte Abrüstungsabkommen aufzukündigen und sein Nuklearprogramm wieder aufzunehmen. Pjöngjang war Anfang 2008 auf Konfrontationskurs gegangen und hatte Südkoreas neuem Präsidenten Lee Myung Bak vorgeworfen, eine feindliche Politik zu verfolgen. Lee hatte den Norden deutlicher zu Zugeständnissen bei der nuklearen Abrüstung aufgefordert als sein Vorgänger.
Nach monatelangen Drohungen hatte Nordkorea am 5. April eine Langstreckenrakete gestartet, die nach Einschätzung westlicher Experten eine Reichweite von mehr als 5000 Kilometern haben könnte. Wenige Tage später hatte Pjöngjang die Wiederaufnahme seiner Nuklearforschung angekündigt und erklärt, nie wieder über deren Einstellung verhandeln zu wollen.
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