Ein ganzes Land wartet auf die Namen der Opfer der Anschläge. Die Identifizierung der Toten von Oslo und Utøya dauert aber lange - was auch an den fürchterlichen Folgen der Detonation in Oslo liegt.
Rote Rosen als Zeichen des Gedenkens: ein Trauermarsch in Vik, unweit von Utøya, für Opfer der Attentate.
Foto: dapd
Rote Rosen als Zeichen des Gedenkens: ein Trauermarsch in Vik, unweit von Utøya, für Opfer der Attentate.
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Sie haben die Opfer der Tsunami-Katastrophe identifiziert, sie haben nach Zug-, Flug- und Schiffsunglücken mit verstümmelten Toten zu tun gehabt, „wir sind Leichen gewohnt, auch viele Leichen“. Doch die Aufgabe, die die ID-Truppe der norwegischen Polizei derzeit rund um die Uhr beschäftigt, ist die schwierigste, die er je hatte, sagt Per Angel, der Chef der Identifizierungseinheit: „Wenn es sich nicht um ein Unglück handelt, sondern um jemanden, der all das bewusst tat, dann hat das seine eigene Dimension.“
Nach und nach gibt die Polizei die Namen der Opfer des Osloer Bombenanschlags und des Massakers von Utøya frei, vier nur waren es am ersten Tag, obwohl man von viel mehr Toten weiß, wer sie sind. Doch dass deren Familien die Identität bestätigen, reicht nicht für eine offizielle Erklärung. „Es ist ein Puzzle“, sagt Angel, die Aussagen der Angehörigen werden mit Fingerabdrücken und Zahnstellung, Tätowierungen, Eheringen und anderem Schmuck abgeglichen, Gerichtsmediziner und Zahnärzte werden zugezogen, ehe die Identifizierung als abgeschlossen gilt.
Trauer in Norwegen
Bildergalerie ( 62 Bilder )
In einem bewegenden "Rosenzug" gedachten fast 200.000 Menschen den Anschlägen von Oslo und in dem Juso-Lager auf Utøya.
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In einem bewegenden "Rosenzug" gedachten fast 200.000 Menschen den Anschlägen von Oslo und in dem Juso-Lager auf Utøya.
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Das dauert. „Alle zugänglichen Ressourcen werden genutzt“, sagt Kripo-Chef Odd Reidar Humlegård. 40 Mitglieder der Einheit sind in Oslo zusammengezogen. „Schneller zu arbeiten, als wir es tun, ist nicht möglich.“ Wenn die Identität feststeht, müssen noch die Angehörigen informiert werden und die Zustimmung zur Veröffentlichung geben. Bis Freitag hoffen die Ermittler, die Arbeit zumindest großteils abgeschlossen zu haben.
Denn ein ganzes Land wartet auf die Namen, als könne man die Tragödie erst endgültig fassen, wenn aus den anonymen Opfern Menschen geworden sind, mit Foto, Alter, Wohnort.
Als die Polizei die ersten Namen auf ihre Website stellte, brach der Datenverkehr zusammen, zu groß war der Andrang. Dass zwei Drittel der Toten Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren waren, weiß man schon, und jede Zeitung hat ihren eigenen Überblick über viele von ihnen , ihre individuelle Geschichte und ihr Schicksal.
Wohl keine weiteren Opfer
Die Leichen der auf Utøya Erschossenen sind relativ leicht zu identifizieren, obwohl viele durch die Dumdum-Geschosse, die der Mörder verwendete, fürchterlich zugerichtet sind. Anders verhält es sich mit den Opfern des Bombenanschlags. Dort, wo die Detonation am stärksten war, hat der Druck alles zerfetzt, was in der Nähe war. „Wir suchen nach winzigen menschlichen Überresten“, sagt Humlegård. Dennoch geht die Polizei nun davon aus, dass es keine weiteren Opfer gibt.
Auf Utøya läuft die Suche noch. Man vermutete lange, dass noch mehrere Jugendliche auf der Flucht vor den Kugeln des Mörders ertrunken sind, doch da trotz intensiver Nachforschung durch Polizei und Rotes Kreuz keine weiteren Leichen gefunden wurden, hat man die Zahl der Vermissten nun von vier bis fünf auf „vermutlich nur einen“ reduziert. Die Gesamtzahl der Opfer beider Anschläge wäre dann 77.