Köln. Wenn die Kölner am 30. August ihren Oberbürgermeister und den Stadtrat neu bestimmen, ist das nicht einfach eine Wahl. Die skandalträchtige Vorgeschichte beginnt 1999, als der sozialdemokratische OB-Kandidat Klaus Heugel über Insider-Aktiengeschäfte stürzt und der krasse Außenseiter Harry Blum (CDU) plötzlich im Rathaus landet. Doch ein Jahr später stirbt er an Herzversagen. Die CDU setzt auf den unbekannten Fritz Schramma. Er wird direkt für die laufende und die kommende Wahlperiode gewählt. Der kölsche Jung Schramma - volksnah, jeck auf Karneval und den FC - ist äußerst beliebt. Dass er nach neun Jahren ohne OB-Wahl wieder gewinnen wird, gilt als abgemacht. Selbst Gegenkandidat Jürgen Roters (SPD) sieht sich als Außenseiter.
Doch das hat sich mittlerweile geändert. Der Einsturz des Historischen Archivs im März hat Schramma die Kandidatur gekostet. Aufgrund der deutlichen Kritik an seinem Krisenmanagement verzichtet er darauf, erneut zu kandidieren. Nach wochenlanger Suche findet die Kölner CDU erst Mitte Mai in Berlin Ersatz. Jetzt versucht der ehemalige Finanzsenator Peter Kurth, zu retten, was wohl nicht zu retten ist.
Denn die CDU steckt in einer Dauerkrise. Seit 2002 plagt sie der Spendenskandal um ihren ehemaligen Kreisvorsitzenden Richard Blömer, der kürzlich verurteilt wurde, aber als Ortsfunktionär nicht abtreten will. Doch Blömer ist keineswegs die einzige Altlast der Kölner Union. Zweifelhafte Beraterverträge zwischen der Sparkasse Köln-Bonn und CDU-Funktionären kommen hinzu. Die Kölner FDP will angesichts des Klüngels nicht zugunsten Kurths auf einen eigenen Kandidaten verzichten.
Selbst wenn die CDU im Stadtrat ihren Rang als stärkste Fraktion verteidigen sollte, dürfte sie davon nichts haben. Die Umfragen sagen Rot-Grün einen klaren Sieg voraus. Und noch ein zweites Ergebnis scheint klar: Köln erhält wieder mal einen Oberbürgermeister, der vor ein paar Monaten noch als sicherer Verlierer galt.
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