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OECD-Studie: Deutschland belastet Arbeitnehmer stark

Hohe Sozialabgaben bremsen nach Einschätzung der OECD die Beschäftigung in Deutschland. Der Staat bittet vor allem Singles und alleinerziehende Geringverdiener zur Kasse.

In Deutschland liegt die Belastung bei alleinstehenden Geringverdienern und Alleinerziehenden besonders weit über dem OECD-Mittel.
In Deutschland liegt die Belastung bei alleinstehenden Geringverdienern und Alleinerziehenden besonders weit über dem OECD-Mittel.
Foto: FR/Arnold

Paris. Hohe Sozialabgaben bremsen nach Einschätzung der OECD die Beschäftigung in Deutschland. Die Sozialsysteme sollten daher stärker über Steuern etwa auf Konsum und Grundbesitz finanziert werden, erklärte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Paris. Für Frankreich hatte Präsident Nicolas Sarkozy am Montag eine größere Finanzierung der Renten über Steuern auf Kapitaleinkünfte angekündigt.

"Deutschland ist im Vergleich zu anderen OECD-Staaten kein Hochsteuerland", erklärt die OECD. Der Anteil aller Steuern und Abgaben an der Wirtschaftsleistung ist mit 36,4 Prozent nur durchschnittlich. Allerdings wird der Faktor Arbeit mehr als anderswo belastet, nämlich um 51 Prozent statt 36,4 Prozent im OECD-Mittel. Frankreich liegt dabei nur ganz knapp hinter Deutschland. Höher ist die Belastung der Arbeit nur in Belgien und Ungarn.

"Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt die Belastung bei alleinstehenden Geringverdienern und Alleinerziehenden", schreibt die OECD. Wer nur zwei Drittel des Durchschnittslohnes kassiert und alleine zwei Kinder durchbringen muss, bei dem summierten sich Steuern und Abgaben 2009 auf 31,3 Prozent der Arbeitskosten. Im OECD-Durchschnitt waren es 16,9 Prozent.

Der Anteil der Sozialabgaben an den Staatseinnahmen ist mit 13,3 Prozent höher als im OECD-Mittel mit neun Prozent. "Das macht Arbeit in Deutschland besonders teuer und macht es vor allem für gering Qualifizierte schwierig, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden", glaubt die OECD.

Spitzenverdiener profitieren

Seit 2000 ist die Abgabenbelastung quer durch alle Haushaltstypen gesunken. Davon profitierten vor allem allein verdienende Spitzenverdiener. Die Abzüge für Alleinerziehende mit geringem Einkommen lagen dagegen 2009 "nur knapp unter dem Niveau des Jahres 2000". Damit war die viel kritisierte "kalte Progression", der Anstieg der Steuern durch höhere Löhne und Gehälter, im Portemonnaie nicht zu spüren.

Bei einer Lohnerhöhung entfallen bei Normalverdienern auf jeden zusätzlichen Euro höhere Steuern und Abgaben als bei Großverdienern. Das liegt an den Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung. "Wenn ein Arbeitnehmer seinem Angestellten bei gut 40000 Euro Jahresgehalt mehr Geld gibt, müssen von zusätzlichen 100 Euro Arbeitskosten 65 Euro als Steuern und Abgaben abgeführt werden", rechnet die OECD vor. "Bei einem Jahresgehalt von 20 000 Euro sind es 55 Euro, bei 80 000 Euro sind es dagegen nur 44 Euro." (dpa)

Datum:  11 | 5 | 2010
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