Atom- und Kohlestrom sind Billigheimer, Erneuerbare dagegen Kostentreiber: So einfach ist die Welt für viele Skeptiker. Doch eine aktuelle Studie im Auftrag des Öko-Stromanbieters Greenpeace Energy widerlegt diesen Mythos. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat errechnet, wie hoch die Kosten der Stromerzeugung tatsächlich sind: Unterm Strich muss die Gesellschaft für Wasser- und Windstrom am wenigsten bezahlen. Kohle- und Atomkraft sind fast doppelt so teuer. Lediglich die Photovoltaik kann mit den konventionellen Energieträgern derzeit nicht mithalten.
Die Autoren ermittelten zunächst den Erzeugungspreis. Er liegt bei den Erneuerbaren durchweg höher. Während der Börsenpreis für Kohle- und Atomstrom 2010 bei 5,2 Cent pro Kilowattstunde lag, musste Wind mit 8,8 Cent und Photovoltaik sogar mit 46,8 Cent vergütet werden. Zum Vergleich: Der Haushaltspreis liegt einschließlich Netzkosten und Steuern bei rund 23 Cent.
Hinzugerechnet wurden dann aber die Subventionen, die von 1970 bis 2010 aufgewendet wurden. Steinkohle erhielt allein für den Abbau 288 Milliarden Euro. Die Atomindustrie konnte durch hohe Forschungsausgaben 196 Milliarden Euro an Förderung einstreichen. Bei Braunkohle summierten sich die Vergünstigungen auf 67 Milliarden. Die Erneuerbaren mussten sich dagegen mit gut halb soviel begnügen – erzeugten dafür aber auch Strom.
Atomrisiken nicht bezifferbar
Die Kosten für Umweltschäden wurden mit Zahlen, die auch vom Umweltministerium verwendet werden, in die Rechnung aufgenommen. Hier schneiden die Fossilen schlecht ab. Steinkohle verursacht unberücksichtigte Schäden von 6,3 Cent pro Kilowattstunde, Braunkohle 7,9 Cent. Die Werte bei Wind und Wasser (0,15 Cent) sowie Solarstrom (ein Cent) liegen wesentlich niedriger.
Wegen der unfassbaren Schäden, die ein Super-GAU anrichten kann und dessen nicht zu beziffernder Häufigkeit ist die Bandbreite der Schätzungen riesig: Je nach Studie wurde sie bislang zwischen 0,1 Cent und 2,70 Euro pro Kilowattstunde angesetzt. Die Autoren setzten daher unter Berufung auf das Umweltbundesamt die Kosten so hoch an wie für den teuersten fossilen Brennstoff, also 7,9 Cent wie bei Braunkohle.
Das Ergebnis: Wasser (6,5 Cent pro Kilowattstunde) und Wind (7,6 Cent) liegen klar vorne, es folgen Kohle und Atom mit gut zwölf Cent. Nur die Photovoltaik liegt mit 46,5 Cent weit hinten, allerdings sind die Kosten aus neuen Anlagen inzwischen nur noch halb so hoch. Dazu Robert Werner von Greenpeace Energy: „Bislang wurden die Verbraucher über den wahren Preis dadurch getäuscht, dass ein Großteil der Kosten gar nicht auf der Stromrechnung auftaucht.“ Bezahlen müssten sie die dennoch, etwa über Steuern und Umweltschäden.
Allerdings hat auch diese Studie Lücken. Denn der konventionell erzeugte Strom steht quasi jederzeit zur Verfügung. Nur die Wasserkraft kann da mithalten. Wind und Sonne schwanken hingegen stark. Das macht es nötig, in Steuerung und Ausbau des Netzes zu investieren. Auch um eine massive Erhöhung der Speicherkapazitäten wird Deutschland nicht herumkommen, wenn die Energie-Wende gelingen soll.
Andererseits winken durch Öko-Strom auch Vorteile, die den Vorsprung der Erneuerbaren wieder erhöhen. Sie schaffen zahlreiche Arbeitsplätze und somit höhere Steuereinnahmen. Und gelingt es, Deutschland durch Öko-Energie auch mit Wärme zu versorgen und den Verkehr auf Elektro-Mobilität umzustellen, wäre die Abhängigkeit von Rohstoffimporten gebrochen.
Gewaltiger politischer Gewinn
Der politische Gewinn wäre gewaltig: Einer Schätzung von 2005 zufolge müssen pro Barrel Öl etwa 20 Dollar allein für Militäreinsätze aufgebracht werden. In instabilen Ländern verursachen die Erlöse aus Öl- und Gasexporten Korruption, die Bevölkerung wird mit Petrodollars unterdrückt. Ein großer Teil des Preises der deutschen Energieversorgung wird derzeit in anderen Ländern bezahlt.
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