Berlin. Wenn Innenminister Thomas de Maizière (CDU) Mitte Mai die Islamkonferenz fortsetzt, könnten die prominentesten Teilnehmer der ersten Runde fehlen. Weder die islamkritischen Autorinnen Seyran Ates und Necla Kelek noch der Islamwissenschaftler und Hessische Kulturpreisträger Navid Kermani sind bisher zur zweiten Runde des Dialogs zwischen Staat und Muslimen eingeladen - obwohl das Innenministerium (BMI) die Teilnehmer am Donnerstag bekanntgeben will.
"Ich biete meine Mitarbeit weiter an, habe aber seit der Wahl nichts mehr gehört", sagte Kelek der FR. Sie hoffe, dass das BMI ein für Donnerstag vereinbartes Treffen nutzt, um sie und ihre Kollegen noch einzuladen. Die Gründerin der Initiative Säkularer Muslime, Ezhar Cezairli, ist da skeptisch. Auch sie gehörte zur ersten Konferenz, erwartet aber nach Vorgesprächen mit dem BMI keine Einladung: "Ich fürchte, es soll keine langen Debatten mehr geben. Aber dann bekommen die Verbände zu viel Einfluss."
Die islamischen Verbände gelten als konservativ und - weil nicht mitgliedschaftlich, sondern wie Interessengruppen organisiert - als nicht repräsentativ für die vier Millionen Muslime in Deutschland. Deshalb hatten Kritiker und Verbände kaum Konsens gefunden. De Maizière plant nun offenbar konkrete Vereinbarungen - etwa in der Regelung des islamischen Religionsunterrichts. Um schneller voranzukommen, will das BMI laut Teilnehmern neben Fundamentalkritikern wie Kelek auch umstrittene Verbände wie den Islamrat für Deutschland (IRD) nicht mehr dabeihaben.
Das BMI bestätigte der FR, es plane eine "strategische Neuausrichtung", die sich auch in der personellen Zusammensetzung zeige. De Maizières Vorgänger Wolfgang Schäuble hatte die Konferenz 2006 gegründet, um die Integration der Muslime in Deutschland zu fördern.
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