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04. September 2013

Organspende: Organ-Skandal weitet sich aus

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In der Klinik wird einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist (Symbolfoto)  Foto: dpa

Ärzte sollen bei der Vergabe von Organen in mehr Kliniken als bisher bekannt gegen geltende Richtlinien verstoßen haben. Oft wurde fälschlicherweise angegeben, dass eine Dialyse vorgenommen wurde. Dialysepatienten rutschen auf der Warteliste weit nach oben.

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Der deutsche Transplantationsskandal ist noch umfangreicher als bisher bekannt. Kontrollen der Prüfungs- und Überwachungskommission ergaben, dass auch in der Uniklinik Münster systematisch manipuliert wurde, um Patienten einen besseren Platz auf der Warteliste für eine neue Leber zu verschaffen. In dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Bericht werden für die Jahre 2010 und 2011 insgesamt 25 Fälle genannt. Keinerlei Verfehlungen fanden die Kontrolleure von Ärzten, Kliniken und Kassen im Transplantationszentrum der Berliner Charité, auch nicht in Magdeburg, in Frankfurt dagegen drei.

Bereits bekannt sind Manipulationen in den Unikliniken Göttingen, Regensburg, Leipzig und München rechts der Isar mit zusammen mindestens 193 Fällen. In weiteren 14 Leber-Transplantationszentren entdeckte die Prüfungskommission insgesamt 74 Verstöße gegen geltende Richtlinien. Hier gebe es aber keinen Verdacht auf systematische oder bewusste Falschangaben zur Bevorzugung bestimmten Patienten, heißt es im Bericht. Viele der aufgedeckten Fehler führten gleichwohl dazu, dass Patienten unberechtigterweise eine größere Chance auf ein Spenderorgan bekamen. Rechnet man alle Fälle auf, ergibt sich, dass bei jeder vierten untersuchten Transplantation gegen die Richtlinien verstoßen wurde.

Unnötige Dialysen

Laut Bericht wurde oft fälschlicherweise angegeben, dass bei Patienten eine Dialyse vorgenommen wurde. In anderen Fällen gab es zwar eine Dialyse, sie war aber unnötig. Dialysepatienten rutschen auf der Warteliste weit nach oben. Vereinzelt wurde zudem die Regel ignoriert, nach der Alkoholkranke mindestens sechs Monate trocken sein müssen vor einer Transplantation.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte, die Überprüfung habe ergeben, dass es den betroffenen Ärzten nicht um Geld oder die Bevorzugung von Privatpatienten gegangen sei. Vielmehr gebe es Anreize durch die Art der Krankenhausfinanzierung, aus dem Wettbewerbsstreben einzelner Kliniken und dem „Streben nach Ruhm und Ehre“. Gleichwohl sei es durch nichts zu rechtfertigen, gegen Gesetze und Richtlinien nach persönlichem Gutdünken zu verstoßen.

Staat soll kontrollieren

Die Kassen erneuerten ihre Forderung, die Zahl der heute 47 Transplantationszentren zu reduzieren. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) signalisierte Unterstützung. Die Krankenhausgesellschaft erklärte sich bereit, über ein Finanzierungssystem zu verhandeln, bei dem kein Anreiz mehr für besonders viele Transplantationen besteht. Das soll den Wettbewerbsdruck mindern. Und so nutzten Ärzteschaft, Kassen und Minister gleich die Gelegenheit, die Deutschen um mehr Bereitschaft zur Organspende zu bitten. Wer sich jetzt abwende, bestrafe nicht die manipulierenden Mediziner, sondern die mehr als 11 000 Menschen auf der Warteliste, sagte Bahr.


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Patientenschützer verlangten staatliche Kontrollen. „Die tiefste Vertrauenskrise der Organspende in Deutschland verlangt politische Konsequenzen“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz. Die Grünen wollen für das gesamte Spendesystem eine unabhängige staatliche Aufsicht. „Das bestehende System muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden“, sagte Renate Künast.

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