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05. September 2012

Organspende: Privat geht vor

 Von Timot Szent-Ivanyi
Tausende Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan.  Foto: dapd

Privatpatienten werden bei der Vergabe von Spenderorganen möglicherweise bevorzugt. Die Debatte beschäftigt inzwischen alle Parteien und das Gesundheitsministerium - hier widerspricht man dem Verdacht.

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Patientenschützer sowie SPD und Linkspartei haben empört auf Berichte reagiert, nach denen Privatversicherte möglicherweise bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt werden. Der Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, forderte am Dienstag, die „offensichtliche Benachteiligung“ von gesetzlich Versicherten aufzuklären. Er reagierte damit auf Berechnungen des Grünen-Politikers Harald Terpe, über die diese Zeitung berichtet hatte. Danach ist der Anteil der Privatversicherten an Transplantationen höher als ihr Anteil auf der Warteliste.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Martina Bunge, kritisierte, bei der Organspende zeigten sich die „zynischen Folgen der Zwei-Klassen-Medizin“ in Deutschland. Gesetzlich Versicherte würden nicht nur später behandelt oder von Leistungen und Arzneimitteln am Ende des Quartals ausgeschlossen, sie warteten auch länger auf ein lebensrettendes Spenderorgan. „Die Zwei-Klassen-Medizin ist ein Skandal und muss beendet werden“, forderte Bunge.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, es sei traurig, dass Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nicht die Kraft habe, die zahlreichen Missstände in der Transplantationsmedizin aufzuklären. Die in den vergangenen Tagen stattgefundenen Gespräche des Ministers mit Lobbygruppen seien da wenig hilfreich. Der SPD-Politiker forderte auch die Ärzte auf, sich zu den Vorwürfen zu äußern. „Der Schaden, der jetzt entsteht, ist gigantisch“, betonte Lauterbach.

Das Gesundheitsministerium wies die Berechnungen von Terpe zurück. Die Regierung könne keinen Trend feststellen, der für eine Bevorzugung von privat krankenversicherten Patienten spreche, sagte Minister Bahr im Norddeutschen Rundfunk. Ein genereller Unterschied zwischen gesetzlich und privat Krankenversicherten werde nicht gemacht. „Das weiß ich auch aus den Transplantationszentren“, sagte der Minister. Zugleich bekräftigte er, dass die Regeln der Organspende und -verteilung überprüft würden.

Ein Sprecher des Ministeriums ergänzte, der Versichertenstatus spiele bei der Organvergabe keinerlei Rolle. Er sprach von unverantwortlichen Spekulationen, mit denen Stimmung gemacht werden solle. Das Gesundheitsministerium konterte die Berechnungen des Grünen-Politikers Terpe zudem mit Zahlen, die ebenfalls von der Vermittlungsstelle Eurotransplant kommen. Danach war der Anteil der Privatversicherten, die auf der Warteliste stehend verstarben, stets höher als der der gesetzlich Versicherten.

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