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02. Januar 2013

Organspende-Skandal: „Leipziger Manipulation kein Einzelfall“

 Von Steven Geyer
Entnahme einer Spenderniere.  Foto: dpa

Desto mehr bei den Organspenden hingeschaut wird, umso mehr Unregelmäßigkeiten kommen ans Licht. Die Staatsanwalt prüft nun den Organspende-Skandal an der Uni-Klinik Leipzig. Kritiker fordern eine unabhängige Kommission.

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Der jüngste Organspende-Skandal an der Leipziger Universitäts-Klinik hat die Debatte um eine Reform des Vergabeverfahrens neu entfacht. So forderte die Deutsche Stiftung Patientenschutz, dass das Transplantationssystem nicht länger privatwirtschaftlich betrieben, sondern in staatliche Hände gelegt wird. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) solle eine unabhängige Kommission einsetzen, „der auch kritische Ärzte, Ethiker und Juristen angehören, die nicht am Transplantationssystem beteiligt sind und damit Geld verdienen“, erklärte die Patientenschutzorganisation.

In Leipzig prüft seit Mittwoch der Staatsanwalt, Ermittlungen wegen einer Straftat aufzunehmen. Die Uni-Klinik hatte am Dienstag bekanntgegeben, eine Innenrevision aller Lebentransplantationen seit 2007 habe mehrere Manipulationen aufgedeckt. Bei 37 von 182 Patienten, denen 2010 und 2011 eine Leber transplantiert wurde, sei fälschlicherweise eine Nierenkrankheit an die Organvermittlung Eurotransplant gemeldet wurden. So erhielten sie schneller eine neue Leber.

„Die Unregelmäßigkeiten im Organspendesystem sind keine Einzelfälle“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Patientenschutz-Stiftung in Berlin. Je mehr Transplantationszentren die Überwachungskommissionen kontrollierten, desto mehr Manipulationen kämen ans Licht. Das Gesundheitsministerium bestätigte, dass mit den Leipziger Fällen sowie den voriges Jahr aufgedeckten Verstößen in Göttingen und München in drei von zehn überprüften Kliniken Auffälligkeiten entdeckt wurden. In diesem Jahr sollen weitere der 47 Transplantationszentren kontrolliert werden.

Ärzteschaft gegen neue Regeln

Auch aus der Union im Bundestage kommen bereits Rufe nach einer Reform. Fraktionsvize Johannes Singhammer forderte mehr gesetzliche Regelungen. So müsse das Mehr-Augen-Prinzip bei Transplantationen vorgeschrieben werden. Zudem müssten mehr Sanktionen gegen Mediziner möglich sein.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, widersprach den Forderungen. „Die Transplantationsmedizin in Deutschland war wohl noch nie so sicher wie derzeit“, sagte er. Die Fälle in Leipzig stammten aus der Vergangenheit und hätten aufgehört, seit die neuen Regeln gelten.

Die Behörden haben bisher keine Verbindung von Leipzig zu den 2012 aufgedeckten Fällen in München gefunden. Auch zu Göttingen, wo die Staatsanwaltschaft gegen einen Mediziner wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt, gebe es keinen Bezug.


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