Der Tod von Osama bin Laden mag symbolisch bedeutend sein, vor allem für Amerikaner. Für die Lage und die Debatten rund um den Terrorismus bedeutet es: nichts. Und wenn, dann eher nichts Gutes.
Stephan Hebel ist politischer Autor der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist politischer Autor der Frankfurter Rundschau.
Wen freut das nicht? Kaum aufgewacht aus einem kleinen Osterschlaf, hören wir vom Tod Osama bin Ladens. Aber schon nach dem Frühstück weicht die leise Genugtuung einem nüchternen Gedanken: Dieses Ereignis mag symbolisch bedeutend sein, vor allem für Amerikaner. Für die Lage und die Debatten rund um den Terrorismus bedeutet es: nichts. Und wenn, dann eher nichts Gutes.
Mein Frühstück war begleitet von den Ausführungen des Herrn Wolfgang Bosbach im Deutschlandfunk. Der Interview-Weltmeister von der CDU, nebenbei Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, hatte Osamas Tötung schon Stunden nach dem Ereignis in sein Reflexschema eingebaut: Jetzt, so Bosbach sinngemäß, müsse mit Racheakten islamistischer Terroristen gerechnet werden. Was also tun? Man ahnt es kaum: Die Sicherheitsgesetze verschärfen! Oder zumindest die befristeten Anti-Terror-Pakete, die nächstes Jahr auslaufen, verlängern.
Blöde Frage zwischendurch: Ist bin Ladens Tod nun ein großer und historischer Erfolg im Kampf gegen den Terror, oder ist er eine Gefahr, weil er den Terror noch anstachelt? Ja, ich weiß, das muss kein Widerspruch sein, man kann sagen: Der Gerechtigkeit Genüge zu tun, ist immer gut, wirkt langfristig womöglich vorbeugend, weil jeder Terrorist weiß, dass er auf Dauer nicht ungeschoren davon kommt. Und das, so würde auch Barack Obama argumentieren, ist es wert, zunächst mit einer erhöhten Anschlagsgefahr zu leben.
Hebel macht Mittag
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Ja, so kann man es sehen, aber man darf auch fragen: Ist diese Tötungsaktion nicht in Wahrheit auch eine Fortsetzung der gegenseitigen Eskalation, die mit Bushs “Krieg gegen den Terror” so richtig begann? Gab es wirklich keine Alternative zu einem Vorgehen, das den alten Oberterroristen seinem Wunsch gemäß als “Märtyrer” sterben ließ? Wir sollten sehr genau hinschauen, ob es sich eher um eine versuchte Festnahme oder um eine mehr oder weniger geplante Liquidation gehandelt hat. Das mag Fanatikern egal sein. aber für die Frage, wie viel moralische und rechtsstaatliche Rechtfertigung die USA für ihr Vorgehen vorbringen können, ist es entscheidend.
A propos Rechtsstaat: Zurück zu Herrn Bosbach. Er hat bin Ladens Tod - ebenso wie die Festnahme von drei mutmaßlichen Terrorplanern in Deutschland - ohne Verzögerung für die alte Leier benutzt: Für ihn - und leider übrigens auch für SPD-Mann Dieter Wiefelspütz - führen aktuelle Gefährdungslagen quasi automatisch zum Wunsch nach verschärften oder zumindest nach Verlängerung der schon verschärften Gesetze.
Was mir bei Bosbach auffiel: Er hält es offenbar gar nicht mehr für nötig, sich der Frage zu stellen, ob diese Gesetze wirklich helfen. Und erst recht nicht der Frage, ob sie vielleicht an anderer Stelle schaden. Deshalb muss hier, und leider wohl auch in Zukunft noch öfter, wiederholt werden: Die ständig zunehmenden Befugnisse zum Spähen, Lauschen und Rasterfahnden, ebenso die zunehmende Verwischung der Grenzen zwischen Polizei und Geheimdiensten, gefährden uns alle, auch wenn wir es (noch) nicht merken.
Wir als Bürger, schuldig oder unschuldig, wissen nicht, ob und wer unseren Gesprächen lauscht, in unseren Mails und Dateien stöbert. Wir werden es erst spüren, wenn wir einmal - und sei es unschuldig! - in Verdacht geraten. Und dann werden wir uns fragen: Warum haben wir nichts gegen den gefährlichen Kontrollwahn eines Staates getan, dessen Vertreter zwischen den Bedürfnissen angeblicher Sicherheit und der Freiheit der Bürger nicht mal mehr ausdrücklich abwägen zu müssen glauben?
USA feiern Tod Bin Ladens
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USA feiern Tod Bin Ladens
Vor dem Weißen Haus in Washington feiern Hunderte den Tod des Al-Kaida-Chefs.
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Auch in New York versammeln sich euphorische Menschenmassen.
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Am Abend des 1. Mai 2011 teilt US-Präsident Obama in einer Ansprache an die Nation mit, dass die USA den Terroristenchef Osama in Pakistan getötet hat.
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Weltweit verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Vor einem Elektroladen in Japan läuft Osama auf allen Kanälen.
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Als sich die Nachricht vom Tod Bin Ladens verbreitet, strömen von Minute zu Minute immer mehr Bürger auf die Straßen.
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Nach den Attentaten vom 11. September 2001 in New York und Washington war Osama bin Laden für viele Menschen zum Inbegriff des Bösen geworden. US-Feuerwehrmänner nehmen die Botschaft mit Erleichterung auf.
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Freudenrausch: Die Nachricht vom Tod des Topterroristen Osama bin Laden versetzt die USA in Ausnahmezustand.
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Leben und Taten des Osama bin Laden
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Leben und Taten des Osama bin Laden
Bin Laden war der unumstrittene Anführer des ansonsten weit verzweigten Terrornetzwerks Al-Kaida.
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Vom Sohn eines steinreichen Bauunternehmers zum Terrorpaten, der sich in Höhle versteckt hält: Das Kurzporträt von Osama bin Laden in Bildern ...
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Osama bin Laden wurde 1957 in Saudi-Arabien als eines von 57 Kindern des Bauunternehmers Mohammed Awad bin Laden geboren, der dort während des Baubooms ein Vermögen machte. Die Familie hat ihre Wurzeln im Jemen. 1979 schloss sich bin Laden den „Gotteskriegern“ an, die in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer kämpften. (Foto von 1989)
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Er half, unter den Augen der USA, den Nachschub an Waffen und arabischen Kämpfern zu organisieren. Nach Abzug der Russen aus Afghanistan trat er für kurze Zeit wieder in den Familienkonzern ein. Sein Privatvermögen soll zeitweilig 300 Millionen Dollar betragen haben.
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Der Golfkrieg gegen den Irak 1991 bedeutete eine neue Wende in seinem Leben. Er kritisierte die Stationierung von US-Soldaten in Saudi-Arabien, was ihm Ärger mit der Herrscherfamilie Al-Saud einbrachte. Er verließ das Land und wich für fünf Jahre in den Sudan aus. 1996 wiesen ihn die Sudanesen auf amerikanischen Druck aus. Bin Laden ging zurück nach Afghanistan ...
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... und wurde ein enger Verbündeter der Taliban. Nach deren Sturz 2001 tauchte er unter und meldete sich fortan nur noch mit Hassbotschaften aus dem Untergrund zu Wort. (Foto von 2007)
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Als Anführer von Al-Kaida wird er für mehrere Terroranschläge verantwortlich gemacht...
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... vor allem für die Attacke auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001...
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... und den zeitgleichen Anschlag auf das Pentagon.
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An diesem Tag starben fast 3000 Menschen durch die Anschläge.
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Am 12. Oktober 2000 explodierte eine Bombe am US-Zerstörer USS Cole in Aden im Jemen. Auch diesen Anschlag führte Al-Kaida durch.
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Im März 2004 wurden bei einem Al-Kaida-Anschlag auf Züge in Madrid Hunderte Menschen getötet.
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Auch nach der Invasion in Afghanistan gelang es den USA und ihren Verbündeten jahrelang nicht, bin Laden zu fassen...
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... er hielt sich im Grenzgebiet von Afghanistan und Pakistan auf, wurde zwischenzeitlich für sterbenskrank gehalten, tauchte aber immer wieder in Video- und Audiobotschaften auf.
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Der Steckbrief des FBI vom 17. September 2001. Auf die Ergreifung Osama bin Ladens war zuletzt eine Belohnung von 50 Millionen Dollar ausgesetzt.
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Obwohl die USA ein Kopfgeld auf den meistgesuchten Terroristen der Welt ausgesetzt hatten, gelang es ihm über Jahre, sich einer Festnahme zu entziehen. Die Bildcombo des FBI zeigt eine Computersimulation eines gealterten Bin Ladens.
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Getötet wurde er schließlich in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.
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.Ein TV-Sender zeigte am 2. Mai 2011 dieses Foto, es soll den durch einen Kopfschuss getöteten Osama bin Laden zeigen. Später kam heraus: Es war eine Montage. Das Bild sei eine Fälschung gewesen, die bereits 2009 im Internet kursierte, sagte Rana Jawad vom privaten pakistanischen Fernsehsender Geo am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Nachdem der Fehler bei einer Kontrolle auffiel, wurde es zurückgezogen. Es zeigt ein verstümmeltes Gesicht mit dichtem, schwarzen Bart und Blut auf Stirn und Schläfen. Das eine Auge ist geschlossen, bei dem ist anderen das Weiß des Augapfels zu sehen. Der Bart ist dunkler als auf den jüngsten Aufnahmen Bin Ladens, auf denen er viele graue und weiße Barthaare hatte. Offenbar basiert die Montage auf einem früheren Bild des El-Kaida-Führers.
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In diesem Anwesen in Abbottabad hielt sich Osama bin Laden bis zu seinem Tod versteckt. Das Haus wurde inzwischen abgerissen und seine Familie, drei Witwen und etwa zehn Kinder, nach Saudi-Arabien abgeschoben.
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Osama bin Laden galt bis zu seinem Tod als der meistgesuchte Terrorist der Welt. Am 2.Mai 2011 wurde er von US-Soldaten getötet.
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Die schlimmsten Attentate der Al-Kaida
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Die schlimmsten Attentate der Al-Kaida
7. August 1998: Bei fast zeitgleichen Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen. Mehr als 5000 Menschen wurden verletzt. Als Drahtzieher gelten bin Laden und sein Netzwerk Al-Kaida.
Foto: dpa
Besonders verheerend war der Anschlag in Nairobi, bei dem 219 Menschen ums Leben kamen. Unter den Toten waren 12 Amerikaner und rund 100 kenianische Botschaftsmitarbeiter. In Daressalam, wo eine Bombe die Fassade der Botschaft wegriss, starben 11 tansanische Angestellte. 75 Menschen wurden verletzt.
Foto: AFP
11. September 2001: Die Terror-Anschläge vom 11. September haben die Welt verändert. An diesem Tag greifen 19 islamistische Terroristen Symbole amerikanischer Macht an und töten rund 3000 Menschen. Die Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Centers in New York gingen um die Welt und lösten Entsetzen aus.
Foto: dapd
Am Morgen kaperten die Terroristen vier zivile US-Boeings mit insgesamt 265 Menschen an Bord. Ein Flugzeug raste in den Nordturm des World Trade Centers und setzte ihn in Brand, kurze Zeit später krachte die zweite Maschine in den Südturm. Das dritte Flugzeug zerschellte 34 Minuten später im Westteil des Pentagon in Washington. Offenbar nach einem Kampf im Cockpit stürzte kurz darauf bei Pittsburgh (Pennsylvania) die vierte Maschine auf freiem Feld ab.
Foto: Kelly Guenther/The New York Time
Unter dem eingestürzten World Trade Center wurden mehr als 2750 Opfer begraben. Auch die Entführer starben. In Washington gab es rund 190 Tote, darunter 5 Entführer. In Pennsylvania starben alle 44 Flugzeuginsassen, darunter die 4 Entführer.
Foto: dpa
31. August 2004: Eine mutmaßliche Tschetschenin sprengt sich in Moskau am Eingang der belebten U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft. Elf Menschen sterben, darunter die Attentäterin und ihr Komplize, ein seit langem gesuchter Terrorist aus der nordkaukasischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien. Rund 50 Menschen werden verletzt. Die Terrorgruppe Islambuli-Brigaden der Al-Kaida bekennt sich zu der Tat.
Foto: dpa
23. Juli 2005: Bei einer Serie von Anschlägen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich werden 66 Menschen getötet. Ein Terrorist rast mit seinem Auto in die Eingangshalle des Ghazala Garden Hotels und sprengt sich dort in die Luft. Zu den Anschlägen bekennen sich eine mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Organisation und die Gruppe „Heilige Krieger von Ägypten“.
Foto: dpa
9. November 2005: Drei Selbstmordattentäter reißen in der jordanischen Hauptstadt Amman 60 Menschen mit in den Tod. Die stärkste Explosion ereignet sich im Radisson SAS Hotel während einer Hochzeitsfeier, wo sich der Terrorist unter die Gäste mischte. Auch in den Fünf-Sterne-Hotels Grand Hyatt und Days Inn detonieren Bomben. Die bis dahin im Irak operierende Terrorgruppe Al-Kaida im Zweistromland um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi bekennt sich zu der Tat.
Foto: dpa
US-Spezialkräfte haben einen der gefährlichsten Männer der Welt getötet: Osama bin Laden wurde vor allem nach den Attentaten vom 11. September 2001 in New York und Washington für viele Menschen zum Inbegriff des Bösen. FR-online zeigt die schlimmsten Attentate der Terrororganisation Al-Kaida.
Foto:
REUTERS
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