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20. Juli 2012

Otto Schily wird 80: Es gibt nur einen Otto Schily

 Von Christian Bommarius
Otto Schily ist sich immer treu geblieben.  Foto: dpa

RAF-Verteidiger, Grünen-Politiker, SPD-Bundesinnenminister: Otto Schily hat ein bewegtes und unvergleichliches politisches Leben hinter sich. Heute wird er 80 Jahre alt.

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RAF-Verteidiger, Grünen-Politiker, SPD-Bundesinnenminister: Otto Schily hat ein bewegtes und unvergleichliches politisches Leben hinter sich. Heute wird er 80 Jahre alt.

Otto Schily ist unvergleichlich. Schon deshalb ist nie jemand auf die Idee gekommen, ihn mit Herrn Keuner in einer berühmten Anekdote Bert Brechts zu vergleichen: „Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ,Sie haben sich gar nicht verändert.’ ,Oh!’, sagte Herr K. und erbleichte.“ Das wäre Schily nicht passiert.

Erstens wäre er nach den Worten nicht erbleicht, denn auf kaum etwas – außer auf seinen Scharfsinn, seine Bildung, sein rhetorisches Talent, seine Herkunft, seinen Ruf als Strafverteidiger, seine Schneidigkeit, seine politische Laufbahn und seine dreiteiligen Anzüge – ist er so stolz wie auf seine Unwandelbarkeit.

Zweitens würde – außer Schily selbst – niemand von ihm behaupten, er habe sich nie verändert, vielmehr ist weit und breit kein Politiker bekannt, der seine Ansichten so häufig und so radikal gewandelt hat wie Schily.

Und drittens fällt einem ohnehin kein Bekannter Otto Schilys ein, der die Traute hätte, dieses politische Bochumer Edelgewächs von der Seite anzuquatschen.

Schöpfer der "Otto-Kataloge"

Wir selbstverständlich schon. Deshalb konstatieren wir anlässlich des 80. Geburtstags Schilys, dass sich der Mann zeit seines langen Lebens überhaupt nicht verändert hat. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Otto Schily, der 1974 als Strafverteidiger von RAF-Terroristen schreibt: „Der Preis für die Sicherheit ist aber immer zu hoch, wenn er in der Vernichtung eines Menschen – auch eines gefangenen Menschen – besteht.“ und dem SPD-Bundesinnenminister Otto Schily (1998 bis 2005), der 2004 beteuert: „Die Terroristen sollten aber wissen: Wenn ihr den Tod so liebt, dann könnt ihr ihn haben.“ Und auch zwischen dem Grünen-Abgeordneten Schily, der 1983 aus Protest gegen die Nachrüstung das Verteidigungsministerium blockierte und sich von der Polizei wegtragen ließ, und dem Bundesinnenminister, der 2001 wütend dozierte, „niemand hat das Recht, einen Transport, der nach Recht und Gesetz durchgeführt wird, zu verhindern“ , passte nie ein Blatt.

Wir gratulieren also dem ehemaligen RAF-Verteidiger, Grünen-Politiker, SPD-Bundesinnenminister und Schöpfer der neuen Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik („Otto-Kataloge“), Otto Schily, zu 80 Jahren unwandelbarer Treue zu sich selbst.

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