"Das waren Terroristen, die von Indien angestiftet wurden", sagt Familienpatriarch Kala, ein dürrer Greis. "Sie nennen sich zwar Taliban, aber Indien bezahlt sie." Kala Khan ist kein Paschtune, sondern Peshawari, wie er stolz vermerkt. Er hält nicht viel von den bärtigen Landsleuten, die in den vergangenen Jahrzehnten aus den Dörfern der Umgebung in die Stadt geströmt sind.
Aber er glaubt nicht, dass die von Paschtunen dominierten radikalislamischen Milizen für die Serie von Attentaten verantwortlich sind. "Die Regierung tut zu wenig für unsere Sicherheit", sagt Khan, "aber ich bin sicher, dass Indien hinter der Gewalt steckt." Ein Journalismus-Student an der Universität von Peshawar geht noch weiter. "Die Taliban sind unschuldige, fromme Leute, die in den Moscheen sitzen. Die Terroristen ziehen nur ihren Namen in den Dreck. Sie werden von Indien bezahlt." Der große Nachbar als ewiger Sündenbock. Es passt nicht in die pakistanische Psyche, dass ausgerechnet die islamischen Taliban ihre muslimischen Landsleute ermorden. "Wer so etwas macht, kann kein patriotischer Pakistaner sein", sagt auch der 43-jährige Naseeb Imran Bhati, der 15 Jahre als Gastarbeiter in Japan verbrachte.
Sogar Außenminister Shah Mehmood Qureshi behauptete jüngst, nur wenige Tage vor dem ersten Jahrestag der Terrorattacken auf die indische Finanzmetropole Mumbai (früher Bombay), dass Indien Aufständische in der Grenzregion zu Afghanistan unterstütze. "Wir sammeln harte Beweise", erklärte er. Am 26. November 2008 hatten Mitglieder der pakistanischen Untergrundgruppe Lashkar-e-Toiba Mumbai attackiert, rund 170 Menschen starben. Trotz vieler Beweise wurde bisher keiner der Hintermänner in Pakistan verurteilt.
Der Volksmund in Peshawar und auch einschlägige Internet-Seiten wollen gar wissen, dass die bei Kämpfen mit dem Militär getöteten Taliban nicht beschnitten gewesen seien. Nach Ansicht der Verschwörungstheoretiker ist das ein untrügliches Zeichen, dass es sich in Wahrheit um Hindus aus Indien handele.
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