Ende Mai fand man seine Leiche in einem Kanal, 100 Kilometer vor den Toren Islamabads. Seine Mörder hatten ihm zwei Rippen gebrochen, 17 Fleischwunden zugefügt und seine Leber verletzt. Dann hatten sie den Mann offenbar erschossen.
Der Mord an dem international bekannten pakistanischen Journalisten Saleem Shahzad hatte Schockwellen bis nach Washington gesandt. Bis heute ist die Tat nicht aufgeklärt. Nun erschien in der New York Times ein Bericht, wonach ungenannte US-Beamte in Barack Obamas Regierung „glauben, dass Pakistans mächtiger Geheimdienst den Mord angeordnet hat“.
Das Dementi Pakistans folgte prompt. Die pakistanische Botschaft in den USA wies den Bericht als „hochgradig spekulativ“ zurück. „Niemand in der US-Regierung hat dies gegenüber uns erwähnt“, sagte Botschaftssprecher Imran Gardezi. Die Zeitung berufe sich auf anonyme Quellen und lasse sich für eine Kampagne gegen Pakistans Geheimdienst ISI einspannen, kritisierte er. Auch der ISI selbst hatte entsprechende Vorwürfe bereits kurz nach dem Fund von Shahzads Leiche als „völlig unzutreffend“ dementiert.
Dagegen beharrte New-York-Times-Autor Eric Schmitt darauf, dass die US-Quellen von „verlässlichen“ Informationen gesprochen hätten. Die US-Beamten hätten die Informationen aber nicht erläutert, weil diese „direkt ins Herz der Beziehung zwischen Pakistan und den USA“ zielten, sagte Pulitzerpreisträger Schmitt in einem Radiointerview.
Kaum ein anderer Journalist hatte so tiefe Einblicke in die dunkle Welt des Terrors wie Shahzad, der Bürochef von Asia Times Online in Pakistan war. Kurz vor seinem Tod hatte der Vater dreier Kinder berichtet, dass Pakistans Marine von Al-Kaida nahestehenden Terrorgruppen infiltriert sei. Im zweiten Teil des Artikels wollte er über deren Trainingscamps berichten. Doch er kam nicht mehr dazu. Am 29. Mai verschwand er spurlos, zwei Tage später wurde seine Leiche aufgefunden.
Umgehend geriet der pakistanische Geheimdienst ins Visier der Ermittler. Dabei kursieren zwei Theorien: Einige glauben, dass tatsächlich der ISI den Mord befohlen hat. Andere meinen dagegen, dass Al-Kaida-Sympathisanten im ISI den Journalisten zum Schweigen bringen wollten.
Auch der Artikel in der New York Times kann dies letztlich nicht endgültig klären. Da sich die Zeitung auf anonyme Quellen beruft, lässt sich kaum abschätzen, welches Gewicht deren Aussagen haben. Interessant ist nun, ob Washington die Vorwürfe öffentlich machen wird oder nicht.
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