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Pakistan: In der Höhle des Löwen

Pakistans Armee startet eine Großoffensive in der Taliban-Hochburg Süd-Waziristan. Angeblich ist es die gewaltigste seit sechs Jahren - und vielleicht die wichtigste. Von Christine Möllhoff

Pakistanische Polizisten in Dera Ismail Khan.
Pakistanische Polizisten in Dera Ismail Khan.
Foto: afp

Das Kampfgebiet ist nur 6600 Quadratkilometer groß, aber ein unwegsames Terrain voller Berge und tiefer Schluchten. Nun wagt sich Pakistans Militär in die Höhle des Löwen, in die Taliban-Hochburg Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan.

Am Wochenende begann die Armee die lang erwartete Großoffensive in der halbautonomen, gesetzlosen Grenzprovinz. Rund 28.000 Soldaten rückten am Boden von drei Seiten vor, während US-Truppen jenseits der Grenze gegen die Aufständischen kämpfen.

Es ist angeblich die größte pakistanische Offensive gegen die Militanten seit sechs Jahren - und vielleicht die wichtigste. Sie gilt dem berüchtigten Talibanverband Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) und seinem neuen Führer Hakimullah Mehsud. Dieser hat den im August getöteten Gründer Baitullah Mehsud abgelöst und sich mit einer Anschlagsserie einen Schreckensruf erworben.

Hakimullah soll nicht nur über 10.000 Kämpfer gebieten, sondern auch El Kaida und ausländischen Militanten etwa aus Usbekistan Unterschlupf gewähren. Die TTP bekannte sich zur jüngsten, blutigen Terrorwelle, bei der in knapp zwei Wochen mehr als 160 Menschen getötet wurden.

Aufständischen leisten erbitterten Widerstand

Schon lange hatten die USA Pakistans Führung gedrängt, den Unruheherd Süd-Waziristan unter Kontrolle zu bringen. Washington hofft, dass man so den Taliban den Fluchtweg aus Afghanistan nach Pakistan abschneidet. Während am Wochenende Soldaten bei der Bodenoffensive versuchten, die TTP-Stammgebiete einzukreisen, bombardierten pakistanische Kampfflugzeuge mutmaßliche Taliban-Zentren.

Angeblich leisteten die Aufständischen erbitterten Widerstand. Schon an den ersten beiden Kampftagen soll es Dutzende Tote gegeben haben. Auch Zivilisten, darunter möglicherweise Kinder, sollen im Kreuzfeuer getötet worden sein. Überprüfen ließen sich diese Angaben aber nicht, da das Kampfgebiet von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten war. Telefonkontakte wurden gekappt und Zufahrtsstraßen gesperrt.

In der Region sollen mehr als 500.000 Menschen leben, die meisten sind wie die Taliban Paschtunen. Sie gelten als konservativ und feindselig gegenüber fremden Besatzern, zu denen sie auch die Armee zählen. "Fast jede Familie hier hat Verbindungen zu den Taliban", sagte ein Beobachter. 90.000 Menschen sind laut Nachrichtenagenturen bereits aus der Kampfregion geflohen.

Der Vorstoß der Armee ist riskant. Das Militär hat schon mehrere Versuche unternommen, Süd-Waziristan unter Kontrolle zu bringen. Dabei wurden 2000 Soldaten getötet. Zudem bricht bald der Winter an. Das Militär möchte die Offensive in sechs bis acht Wochen abschließen.

In Indien beurteilte man den Feldzug skeptisch. "Die Offensive wird keinen Erfolg haben", sagte Ajai Sahni, Direktor des Instituts für Konfliktmanagement in Delhi. "Die Armee müsste die Taliban über lange Zeit auf dem Boden bekämpfen. Zudem formieren sich die Taliban in anderen Regionen des Landes und attackieren dort die Sicherheitskräfte."

Am Montag setzten pakistanische Regierungstruppen die Großoffensive mit Luftangriffen und Gefechten am Boden fort. Kampfflugzeuge hätten in der Nacht zahlreiche Stellungen der Aufständischen bombardiert und zerstört, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Gleichzeitig rückten Soldaten aus drei Richtungen gegen die von den Extremisten gehaltene Stadt Makeen vor. Dabei stießen sie auf heftigen Widerstand der Taliban, hieß es. (mit dpa)

Autor:  Christine Möllhoff
Datum:  19 | 10 | 2009
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