Ludwigshafen. Der Sozialethiker Prof. Friedhelm Hengsbach sieht in der Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. entscheidende Defizite. "Gerade die Probleme der Finanzmärkte sind ziemlich schwach und blass dargestellt. Es gibt keine konkreten Anweisungen oder konkrete Orientierungen, wie sie gelöst werden sollen", sagte der emeritierte Professor für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik am Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
"Wenn man es etwas kritisch beurteilt, ist es ein Selbstgespräch des gegenwärtigen Papstes mit seinen zwei Vorgängern." Die Argumentationsweise des Papstes sei zum Teil sehr diffus, sagte Hengsbach. "Sie ist eigentlich nur verständlich für Leute, die auf dem Boden des Christentums stehen." Ein echter Dialog mit all den Menschen, die sich um eine wirklich menschliche Entwicklung der Welt bemühten, gelinge mit der Enzyklika nicht, kritisierte er.
Für überholt hält Hengsbach die Forderung des Papstes nach einer "echten politischen Weltautorität". Diese Vorstellung des Papstes rühre von seiner "Rückwärtsorientierung" auf Texte von Paul VI. und Johannes Paul II.
"Darüber ist die Entwicklung ja längst hinweggegangen." Es gehe in der aktuellen Situation doch eher darum, ein globales Regieren ohne eine solche Weltautorität herzustellen. "Diese Weltautorität ist völlig utopisch und illusionär", sagte Hengsbach.
Eine wichtige Botschaft der Enzyklika ist laut Hengsbach, dass die Menschen und Völker nicht den Entwicklungen auf den Finanzmärkten, in der Wirtschaft oder in die Politik ausgeliefert seien, sondern - individuell und kollektiv - eine freie Entscheidungsmöglichkeit hätten.
"Und, dass diese Entscheidungsfähigkeit uns gleichsam aufträgt, die Dinge nicht so zu lassen, wie sie sind, sondern sie zu gestalten - nach moralischen und vor allen Dingen nach menschlichen und sozialen Kriterien", sagte Hengsbach. (dpa)
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