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Papst verprellt Indianer: Unentschuldigt

Papst Benedikt XVI hat den Missbrauch von Ureinwohnerkindern in katholischen Internatsschulen in Kanada verurteilt. Nicht allen Indianern geht das Bedauern des Papstes weit genug Von Gerd Braune

Der deutsche Papst hat die Indianer Kanadas verprellt.
Der deutsche Papst hat die Indianer Kanadas verprellt.
Foto: dpa

Ottawa. Papst Benedikt XVI hat den Missbrauch von Ureinwohnerkindern in katholischen Internatsschulen in Kanada verurteilt. Gegenüber Vertretern des Dachverbands der Indianer Kanadas drückte er seinen "Schmerz über die Leiden" aus, die den überwiegend indianischen Kindern durch das klägliche Verhalten einiger Mitglieder der Kirche zugefügt worden sei. Nicht allen Indianern geht das in einer Privataudienz geäußerte Bedauern des Papstes weit genug. Sie hatten eine öffentliche Entschuldigung erhofft.

Nach der Audienz sagte der nationale Oberhäuptling Phil Fontaine, der als Jugendlicher Opfer sexuellen Missbrauchs in einer Schule war, die Erklärung Benedikts sei für ihn ein "Trost". Auch der Chef der Indianer Manitobas, Ron Evans, begrüßte die Erklärung, sie sei aber nur ein Anfang. "Wir müssen darüber hinausgehen." Jeder Überlebende des Schulsystems müsse entscheiden, ob ihm dies genüge: "Es ist Zeit für die nächsten Schritte der Heilung und Versöhnung." Das Missbrauchsopfer Don Courchene sagte, es wäre besser gewesen, wenn der Papst in Kanada öffentlich Stellung bezogen hätte.

"Residential Schools" waren vom Staat eingerichtete und finanzierte, überwiegend aber von Kirchen geführte Internatsschulen. Rund 150 000 Ureinwohnerkinder - vor allem Indianer, aber auch Metis und Inuit - gingen durch dieses Schulsystem, das fast 100 Jahre lang bis in die 1960er und 70er Jahre ihr Leben prägte und tiefe Wunden riss. Kinder wurden ihren Familien entrissen, um sie an die "weiße" Gesellschaft anzupassen. Ihre Sprachen und Gebräuche wurden verboten. Viele wurden misshandelt und sexuell missbraucht. Das Residential-School-Syndrom gilt als wesentliche Ursache vieler sozialer Probleme wie Alkoholismus und Drogenabhängigkeit.

Im vergangenen Sommer hatte sich die kanadische Regierung offiziell für das Leiden entschuldigt, das den Ureinwohnern zugefügt wurde. Anders als andere christliche Kirchen hat sich die katholische Kirche Kanadas nicht entschuldigt. Begründet wird dies vor allem damit, dass die Verantwortung für die Schulen bei Diözesen und Orden, nicht aber bei der Gesamtkirche lag.

Autor:  GERD BRAUNE
Datum:  2 | 5 | 2009
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