Jugendliche nennen es Crystal oder Ice, doch die hübschen Namen kaschieren die immense Gefahr: Methamphetamin ist gemessen an der Zahl der Konsumenten weltweit Droge Nummer zwei hinter Cannabis, warnt Professor Edelhard Thoms, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Park-Krankenhaus Leipzig. In Deutschland sind es vor allem jugendliche Partygänger aus Sachsen, Thüringen und Bayern, die das in Untergrundlabors in Tschechien und Polen billig hergestellte Crystal schnupfen. Und ihre Zahl wächst.
"Crystal euphorisiert, mindert das Bedürfnis nach Schlaf und unterdrückt Hungergefühle", erläutert Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters in Hamburg - "eine typische Partydroge eben". Macht gute Stimmung, lässt einen aufdrehen und Nächte durchtanzen.
Der Preis, den die gute Stimmung fordert, ist hoch. "Methamphetamin macht massiv abhängig", betont Thoms. Reiche dem Partygänger am Wochenende noch eine Dosis von 0,2 Gramm, bräuchten die Suchtkranken, die er jedes Jahr zu Dutzenden behandelt, bereits Tagesdosen von zwei, drei oder gar vier Gramm - und legten dafür 70 Euro pro Gramm hin.
Welche Folgen der Gebrauch von Methamphetamin hat, darüber gibt es aus Deutschland kaum wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse: "Der Forschungsstand ist desaströs", betont Thomasius. Lediglich in den USA gebe es Studien, die von "schweren neuropsychologischen Defiziten, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und demenzartigen Zustandsbildern bereits im Jugendalter" berichteten. Crystal wirke im Nervensystem vermutlich deutlich schädlicher als Ecstasy.
"Der Entzug ist dramatisch, weil er viel länger dauert als bei Heroin", sagt Thoms. Bis zu zwölf Wochen spürten die oft erst 14-jährigen Methamphetamin-Süchtigen die schwersten Folgen des Entzugs: "Sie können nicht schlafen, nicht denken, sind im Wechsel aggressiv und depressiv. Der Entzug findet überwiegend im Kopf statt, und das kann schlimmer sein, als die körperlichen Schmerzen bei einem Heroin-Entzug."
Wer länger Methampehtamin-abhängig war, erreiche fast nie mehr sein ursprüngliches geistiges Leistungsvermögen. 20 Prozent der Dauerkonsumenten entwickelten eine Psychose, die bei vielen bleibe.
Crystal-User kämen aus allen Schichten, betont Thoms. Sie hätten alle keine gut ausgebildete emotionale Bindung an die Eltern, keine Strategie, Stress zu bekämpfen und oft Gewalt erlebt.
In einer ersten deutschen Studie mit 66 Jugendlichen wollen Thomasius und Thoms von Herbst an herausfinden, welche Folgen Crystal auf das Gehirn hat, wenn es bereits im Jugendlichen-Alter chronisch eingenommen wird. Die bisherigen Erkenntnisse aus den USA bezögen sich sämtlich auf erwachsene Konsumenten. Zu erwarten sei, "dass die Konsequenzen des frühen Konsums gravierender sind als bei einem Erwachsenen", sagt Thomasius.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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