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Patienten in der Versorgungslücke: Auf allen Vieren gekrochen

Nicht mehr krank genug für die Klinik, nicht fit genug für zu Hause - so geht es vielen alleinstehenden Patienten. Von Eckard Stengel

Als die Bremer Rentnerin Elsbeth Rütten nach einer Fuß-OP aus der Klinik entlassen wurde, tat sich eine Versorgungslücke auf. Sie durfte ihren Fuß "kein Gramm belasten", wie sie sagt, und trug zwölf Wochen lang einen Liegegips bis zum Knie - aber nur fünf Tage lang finanzierte ihr die gesetzliche Krankenkasse eine Hilfskraft. Dann musste Rütten selber klarkommen. "Manchmal bin ich auf allen Vieren gekrochen."

So wie der Bremerin geht es unzähligen alleinstehenden Patienten. Zugespitzt hat sich die Lage, seit die Kliniken nicht mehr nach Tagessätzen, sondern pauschal pro Fall honoriert werden: Sie stehen nun unter Druck, ihre Patienten möglichst früh zu entlassen.

Nur wenn Kinder unter zwölf Jahren im Haushalt leben, müssen die gesetzlichen Kassen bei Bedarf eine Haushaltshilfe finanzieren. Manchmal zahlen sie zwar freiwillig. "Aber es ist unwürdig, dass man immer erstmal darum kämpfen muss", findet Rütten. Deshalb hat die 60-Jährige eine Patienten-Initiative gegründet und einen prominenten Schirmherrn gefunden: Bremens Altbürgermeister Henning Scherf (70). Der Sozialdemokrat fordert langfristig "Patientenhotels" nach skandinavischem Vorbild oder zumindest separate Klinikstationen, wo hilflose Personen noch eine Weile auf Kassenkosten betreut werden. Außerdem hoffen die Bremer auf eine Änderung des Sozialgesetzbuches, damit auch Alleinstehende nach OPs einen Anspruch auf Haushaltshilfen erhalten. Der Bund ist dazu aber nicht bereit. "Es ist nicht geplant, das zur Pflichtleistung zu machen", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums der FR. Denn dies würde den Aufgabenbereich der gesetzlichen Krankenversicherung überschreiten.

Aber auch ohne Gesetzesänderung könnten die Kassen laut Scherf und Rütten etwas tun: Sie sollten verstärkt freiwillig Hilfe leisten. Elsbeth Rütten findet widersinnig, was nach ihrer Fuß-OP geschah: Weil sie ihr Gipsbein zu stark belasten musste, entstand ein Druckgeschwür. "Dann durfte ein Pflegedienst kommen, um diese Stelle zu versorgen." Aber zum Einkaufen oder Wäschewaschen wurde niemand geschickt.

Autor:  ECKHARD STENGEL
Datum:  12 | 1 | 2009
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