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04. März 2013

Patriot-Einsatz der Bundeswehr: Türkische Armee weist Kritik zurück

 Von Frank Nordhausen
Deutsche Soldaten in Kahramanmaras auf dem Gelände der deutschen "Patriot"-Raketenabwehrstaffel. Foto: dpa

Unbenutzbare Klos, Schimmel in den Unterkünften, Schikanen: Bundeswehrsoldaten erheben schwere Vorwürfe gegen das türkische Militär. Doch dessen Führung weist die Kritik an den Missständen beim "Patriot"-Einsatz zurück.

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Verdreckte Toiletten, ein türkischer General, der eine deutschen Feldjägerin schubst und ein Verbot, mit einheimischen Soldaten Kontakt aufzunehmen – am Stationierungsort des Patriot-Kontingents der Bundeswehr in Kahramanmaras sollen nach dem Bundestags-Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) unhaltbare Zustände herrschen. Königshaus hatte die deutschen Soldaten, die die türkische Stadt Kahramanmaras mit Patriot-Abwehrraketen vor Angriffen aus Syrien schützen sollen, vor gut einer Woche zwei Tage lang besucht. In einem siebenseitigen Bericht listete er anschließend Mängel an der Kaserne und im Umgang türkischer und deutscher Soldaten miteinander auf.

Der türkische Generalstab hat die Vorwürfe inzwischen dementiert. Sie entsprächen nicht der Wahrheit oder seien maßlos übertrieben. Die Armeeführung in Ankara erklärte, für die Reinigung der Toiletten in ihren Unterkünften seien die Deutschen selbst zuständig. Auch seien die neuen Unterkünfte in der Kaserne inzwischen fertig, würden aber von den Deutschen noch immer nicht bezogen. Der Generalstab betonte, dass von einer Kontaktsperre zwischen deutschen und türkischen Soldaten keine Rede sein könne. Selbst die angebliche Rangelei zwischen dem türkischen General und den deutschen Feldjägern habe es nicht gegeben; der türkische General habe die deutschen Soldaten wegen der Sperrung eines Zufahrtsweges beim Besuch des deutschen Verteidigungsministers Thomas de Maizière (CDU) Ende Februar lediglich gewarnt. Das Bundeswehr-Kontingent habe sich seinerseits bei der türkischen Seite für das Vorkommnis entschuldigt, so der Generalstab. Bestätigt wurde von der türkischen Seite lediglich das Verbot, deutsche Ortsschilder und Fahnen in der türkischen Kaserne aufzuhängen. Nur vor der Einsatzzentrale sei eine deutsche Fahne zusammen mit den Flaggen der Türkei und der Nato genehmigt worden.

Oberst Ellermann: "Vieles wurde hochgespielt"

Die Entschuldigung bezüglich „Missverständnissen“ und „fehlender Koordinierung“ bezeugt auch der deutsche Kommandeur in der Türkei, Oberst Marcus Ellermann. „Aus meiner Sicht wird vieles verfälscht dargestellt und hochgespielt. Es gibt aber Einzelpunkte, wo eine konstruktive Zusammenarbeit etwas erschwert wurde.“ Dies betreffe vor allem die „französischen Toiletten“ in den alten Kasernengebäuden, die teilweise sehr verdreckt waren, was wohl auch auf die Bauarbeiter in der Kaserne zurückzuführen sei. Doch hätten diese innerhalb weniger Wochen ein Wohngebäude renoviert und ein weiteres komplett neu errichtet, um die Aufnahmekapazität für die Deutschen zu verdoppeln. „Hut ab, das hätte in Deutschland so nie funktioniert“, sagt Ellermann. Die 300 Bundeswehrsoldaten könnten jetzt aber noch nicht einziehen, weil die Bauabnahme durch ein deutsches Expertenteam noch ausstehe, und übernachteten deshalb weiter in City-Hotels in Kahramanmaras. „Dieses deutsche Prozedere ist den Türken schwer zu vermitteln.“

Viele Alltagsprobleme, die im Königshaus-Bericht angesprochen würden, wie zum Beispiel die Nutzung eines Sportplatzes, seien aber schon längst gemeinsam gelöst worden, erklärt der Bundeswehr-Oberst. Er räumt ein, dass man wohl nicht damit gerechnet habe, in Ostanatolien auf völlig andere sanitäre und hygienische Standards zu treffen als in Westeuropa. Das allerdings hätte man von jedem Türkei-Kenner vorab erfahren können.

Und die Rangelei mit dem türkischen General? Das dürfe man nicht verharmlosen, sagt Ellermann, nach gründlicher Untersuchung sei aus seiner Sicht das Verhalten des Generals nicht zu entschuldigen, doch habe die Feldjägerin keine dauernden Schäden davon getragen und sich bereits für einen weiteren Einsatz in der Türkei beworben. Für die Türken, die keine fremden Soldaten auf ihrem Territorium gewöhnt seien, sei das Ganze auch ein Experiment. Das gelte insbesondere für die mangelnde Bereitschaft der türkischen Seite, Kontakte zwischen deutschen und türkischen Soldaten zuzulassen. „Wir würden uns lieber austauschen. Dass dies vielleicht nicht gewünscht ist, hatten wir nicht erwartet.“

Zusammenprall militärischer Kulturen

Die türkische Armee sei einfach völlig anders organisiert als die Bundeswehr, umschreibt Ellermann den Zusammenprall der militärischen Kulturen. Man könne sie aber schlecht anweisen, „unser Konzept der Inneren Führung zu übernehmen“. Bei all dem dürfe man nicht vergessen, dass die Bundeswehrsoldaten insgesamt freundschaftlich aufgenommen worden seien und „dass wir hier einen gemeinsamen Auftrag haben und diesen erfüllen“. Auch habe sich die Kritik des deutschen Wehrbeauftragten bisher nicht auf das Verhältnis zu den Türken ausgewirkt.

Zwischenzeitlich haben Verteidigungsminister de Maizière und der Wehrbeauftragte Königshaus die Mobbingvorwürfe teilweise relativiert, sprachen von unklaren Zuständigkeiten und kulturell bedingten Problemen. Dennoch erneuerte Königshaus in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Montag seine Kritik an den Einsatzbedingungen für die deutsche Soldaten. „Dass die türkische Seite nicht erfreut ist darüber, das kann ich verstehen“, sagte er. „Es ging schlicht um die grundsätzliche Beschreibung von Dingen, die behoben werden müssen. Und ich erwarte nun, dass das behoben wird.“

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