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02. März 2013

Peer Steinbrück und die Clowns: Was wirklich komisch ist

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Peer Steinbrück hat Grillo und Berlusconi "Clowns" genannt.  Foto: dpa

Wenn Herr Grillo ein Clown ist, weil er ein Clown ist, und Herr Berlusconi nur ein Clown ist, weil er mit seiner Komik nicht einen Cent verdient, ist die Frage unausweichlich: Was ist eigentlich Herr Steinbrück?

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Wenn Herr Grillo ein Clown ist, weil er ein Clown ist, und Herr Berlusconi nur ein Clown ist, weil er mit seiner Komik nicht einen Cent verdient, ist die Frage unausweichlich: Was ist eigentlich Herr Steinbrück?

Die Geschichte des Clowns ist die Geschichte zahlloser Missverständnisse. Schon sein erster Auftritt in der rauen Natur der irischen Mythologie geriet deshalb zum denkwürdigen Desaster. In der lächerlichen Figur, die einer Gruppe Wanderer einst unweit des Flusses Erne in der lieblichen Ortschaft Bel-atha Senaig in abgerissener Kluft und Wasser spritzenden Schuhen entgegentaumelte, glaubten die Betrachter „a clown“ erkennen zu können, aber es war nur der Meeresgott Manannan, der sich mal wieder verkleidet hatte, bei anderer Gelegenheit als Schmied Culann, diesmal als Clown.

Ob jemand gelacht hat, ist nicht überliefert, doch nicht sehr wahrscheinlich. Denn das ist das erschütternd Komische an der Figur des Clowns bis heute, dass kein Mensch über ihn lacht, wenn er ihm an den Ufern des Erne oder sonstwo begegnet, ohne Honorar zu zahlen, aber die Zuschauer unter der Zirkuskuppel vor Lachen zucken, nachdem sie ihre Belustigungsbereitschaft gegen Entrichtung des Eintrittsgeldes erworben haben. Ob ein Clown komisch ist oder nicht, hängt nicht von seiner Komik ab, vielmehr hängt seine Komik davon ab, ob er sich für sie bezahlen lässt.

Ein clownstypisches Missverständnis

Das hat der ehrenwerte Direktor des Zirkus Roncalli ist seiner Wutrede auf den SPD-Kanzlerkandidaten übersehen, nachdem der mal wieder weniger von der Gedanken- als von der Beinfreiheit Gebrauch gemacht und sowohl den italienischen Clown und Neu-Politiker Beppe Grillo als auch den italienischen Ganoven und Alt-Politiker Silvio Berlusconi als „Clowns“ bezeichnet hatte. Für Roncalli-Chef Paul ein Fall verletzter Berufsehre: „Ein Zirkusclown ist kein Depp, den man auf eine Stufe mit Berlusconi stellt.“ Bei näherer Betrachtung ist das ein klarer Fall eines clownstypischen Missverständnisses.

Denn natürlich hat Herr Steinbrück Herrn Berlusconi keineswegs mit einem Zirkusclown vergleichen wollen, über den man lacht, weil man ihn dafür bezahlt. Vielmehr wollte der sensible Rhetoriker dem italienischen Schuft mal ordentlich die Fresse polieren, über dessen verschlagenes Grinsen kein Mensch, ja nicht einmal ein Kavalleriepferd wiehert, schon deshalb nicht, weil ihn niemand, ausgenommen vielleicht die Mafia, dafür bezahlt. Deshalb hat der stets auf Differenzierung bedachte Herr Steinbrück nicht von „Zirkusclown“ gesprochen, sondern von „Clown“. Das sollte Herrn Paul, der mit der Komik des Zirkusclowns ordentlich verdient, beschwichtigen.

Wenn aber Herr Grillo ein Clown ist, weil er ein Clown ist, und Herr Berlusconi nur ein Clown ist, weil er mit seiner Komik nicht einen Cent verdient, ist die Frage unausweichlich: Was ist eigentlich Herr Steinbrück? Manche behaupten, er sei der Gott des Klartexts. Aber was machen wir, wenn er uns eines Tages wie sein irischer Kollege mit wasserspritzenden Schuhen als Clown entgegenkommt? Antwort: Lachen. Denn bestimmt lässt er sich dafür bezahlen.

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