Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | USA unter Donald Trump | Türkei | Flucht und Zuwanderung
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

11. Februar 2013

Persönlichkeitsprofile: US-Rüstungsfirma wertet soziale Medien aus

 Von 
Noch nie war es für staatliche Sicherheitsorgane so einfach wie heute, über die Bürger Informationen zu sammeln.  Foto: dpa

Wer soziale Medien nutzt, hinterlässt ein Flut persönlicher Daten. Der US-Rüstungskonzern Raytheon hat ein Programm entwickelt, mit dem sich in ein paar Mausklicks Persönlichkeitsprofile erstellen lassen. Sogar künftiges Verhalten lässt sich vorhersagen.

Drucken per Mail

Dieses Video kann einen frösteln lassen. Knapp vier Minuten dauert der Clip, in dem ein freundlicher Mitarbeiter des US-Rüstungskonzerns Raytheon die schöne neue Überwachungssoftwäre des Unternehmens vorstellt. Knapp vier Minuten, und man weiß, dass Menschen, die bei Facebook und Twitter daheim sind, keine Geheimnisse mehr haben. Diese Erkenntnis verdanken wir der britischen Zeitung Guardian, die das Video auf ihrer Seite veröffentlichte.

Das Programm mit Namen Riot (zu Deutsch: Aufruhr) wertet öffentlich zugängliche Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Foursquare aus. Mit wenigen Mausklicks lassen sich Persönlichkeits- und Bewegungsprofile erstellen, aus denen sich sogar künftiges Verhalten vorhersagen lässt. Wie das geht, demonstriert Raytheon im Video an einem seiner eigenen Mitarbeiter, einem Mann namens Nick.

Es genügt, den Namen einzutippen, und schon zeigt uns Riot, dass Nick ein sympathischer, bärtiger junger Mann ist, der sich vor allem an der Ostküste der USA und in Texas aufhält. Brian Urch, der Chef-Detektiv von Raytheon, der im Video die Software vorstellt, erklärt auch, woher Riot das so genau weiß: Die Fotos, die Nick per Handy aufgenommen und im Netzwerk publiziert hat, enthalten chiffrierte Informationen über die geografische Länge und Breite der Orte, wo sie gemacht wurden. Diese Informationen werden von Smartphones, die immer mehr Menschen benutzen, automatisch erstellt. Diese Daten kann das vorgestellte Programm auswerten.

Montags früh im Fitness-Studio

Natürlich kann Riot auch aufmalen, mit wem Nick in den soziale Netzwerken Kontakt hält. Und farbige Kuchen- und Säulendiagramme veranschaulichen, an welchen Orten er die meiste Zeit verbringt. Es stellt sich heraus, dass Nick gerne und oft ins Fitness-Studio geht. Montags und mittwochs tut er das besonders häufig, und zwar immer schon um sechs Uhr früh. "Sollten Sie Nick zu fassen kriegen wollen", sagt Chefdetektiv Urch, "oder sollten Sie seinen Laptop zu fassen kriegen wollen, dann statten Sie doch dem Fitness-Studio am Montag früh um sechs einen Besuch ab."

Raytheon hat das Programm nach eigenen Angaben bislang nicht an Kunden verkauft. Aber der Konzern räumte ein, dass Behörden und Unternehmen in den USA Zugang zu der Software bekommen hätten. Man sei dabei, gemeinsam ein nationales Sicherheitssystem zu entwickeln, das Billionen von Informationseinheiten aus der digitalen Welt verarbeiten könne.

Geheimdienste und Unternehmen


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Das Ungewöhnlichste an der Raytheon-Software dürfte ohnehin die Tatsache sein, dass das Verkaufsvideo des Unternehmens in die Öffentlichkeit gelangt ist. Denn andere Organisationen bemühen sich ebenfalls, die Daten aus den sozialen Netzwerken leichter nutzbar zu machen. Der britische Geheimdienst GCHQ schrieb im Herbst 2012 Stellen für Mathematiker, Physiker und Computerexperten aus, um bei der Auswertung dieser Daten zu helfen. Auch die amerikanische NSA nutzt die Daten aus sozialen Netzwerken intensiv.

Neben den Nachrichtendiensten sind aber auch noch andere privaten Firmen auf diesem Feld aktiv. Die britische IT-Website The Register wies darauf hin, dass auch IBM, SAS und Genesys Software entwickelt hätten, die der Erstellung von Persönlichkeitsprofilen aus sozialen Netzwerk-Daten dienten und sogar dazu benutzt werden könnten, das Verhalten von Konsumenten und Kunden vorherzusagen.

Nick, der sympathische Bartträger mit der Vorliebe für Facebook und Foursquare, ist ein gläserner Mann.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

USA und Europa

Trumps USA braucht ein Gegengewicht

Von  |
US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania Trump repräsentieren eine neue USA,

Die USA bekennen sich zur Nato – wenn Europa zahlt. Aber wo bleibt die Wertegemeinschaft? Und was sind Angela Merkels Antworten wert? Der Leitartikel.  Mehr...

Donald Trump

"Komplett verrückt"

US-Präsident Donald Trump.

Ja, es ist verrückt, was wir mit US-Präsident Donald Trump erleben. Und nicht nur es, sondern auch er. Aber ist der neue US-Präsident der Erste seiner Art? Erinnert sich jemand an den Krieg im Irak? FR-Leitartikel. Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung