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Peter Mandelson: Der dritte Mann rechnet ab

Der „Prinz der Finsternis“ und Machteinflüsterer zweier britischer Premierminister, Peter Mandelson, hat seine Memoiren veröffentlicht. Die Labour-Partei ist entsetzt.

Der dritte Mann: Lord Peter Mandelson
Der dritte Mann: Lord Peter Mandelson
Foto: Getty Images

Dreizehn Jahre lang war er der dritte Mann der Labour-Partei, dreizehn Jahre lang begnügte sich Peter Mandelson damit, den Machteinflüsterer zweier britischer Premiers zu spielen. Nach der Wahlniederlage ist es vorbei mit der Zurückhaltung des scharfsinnigen und scharfzüngigen Ex-Ministers. Peter Mandelson hat noch vor den ehemaligen Regierungschefs Tony Blair und Gordon Brown seine Memoiren auf den Markt gebracht – und zum Ärger der Partei die Deutungshoheit über zerrüttete, „dysfunktionale Regierungsjahre“ an sich gerissen.

Virtuoser Taktiker

Dass die Freundschaft der ideologischen Blutsbrüder Tony Blair und Gordon Brown nicht lang anhielt, als Blair 1997 in die Downing Street eingezogen war, ist kein Staatsgeheimnis in Großbritannien. Der Pakt der Machtmenschen litt darunter, dass Blair nicht daran dachte abzutreten, sondern sich dreimal wiederwählen ließ. Als „verrückt, schlecht und gefährlich“ hat der Premier laut Mandelson seinen ehemaligen Freund Brown bezeichnet, als einen Politiker, der „hohe moralische Ansprüche formuliert, aber abgrundtiefe Hinterlist praktiziert“. Erst 2007 kam Brown zum Zuge; bei der Wahl im Mai 2010 wurde Labour vernichtend von Konservativen und Liberaldemokraten geschlagen.

Mandelson, 56, war einer der Erfinder von New Labour, der modernen, aber weitgehend inhaltsleeren Neuschöpfung der alten britischen Arbeiterpartei. Er übte seinen Einfluss meist hinter den Kulissen aus und erwies sich als derart virtuoser Taktiker, dass er sich wegen seiner teils gefürchteten, teils bewunderten Strippenzieherei den Namen „Prinz der Finsternis“ verdiente. Der Titel seiner Memoiren „Der dritte Mann“ ist, wie er selbst schreibt, in Anlehnung an Graham Greenes Nachkriegsroman nicht ohne Hintergedanken gewählt. Selbst Brown, der ihn für einen Blair-Intimus hielt, konnte auf Mandelsons politische Künste nicht verzichten. Er holte ihn 2008 von seinem EU-Handelskommissarsposten aus Brüssel zurück, seitdem sitzt der Schattenmann als Lord Mandelson im Oberhaus.

Partei ist fassungslos

Seit Labour die Wahl verlor, fühlt sich der Lord offenbar an keine unnötigen Loyalitäten mehr gebunden. Die Partei ist angesichts der Memoiren fassungslos. Blair, dessen Erinnerungen im Herbst erscheinen, ist angeblich wütend. Brown hüllt sich in Schweigen. Es gibt bereits Stimmen, die Mandelson vom Besuch des Parteitags im September abraten. Derweil sucht die neue Regierungskoalition aus Mandelsons Abrechnung Kapital zu schlagen. „Bisher sind wir davon ausgegangen, dass Labour zerstritten und chaotisch war“, bemerkte Premier David Cameron genüsslich im Parlament. „Jetzt wissen wir: Es war viel schlimmer.“

Autor:  Barbara Klimke
Datum:  21 | 7 | 2010
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