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14. Februar 2013

Pferdefleisch-Skandal in Deutschland: Real ruft Lasagne zurück

 Von G. M. Wiedemann, C. Lehnen und K. Tichomirowa
Mahlzeit! In mancher Lasagne ist nicht drin, was draufsteht.  Foto: dpa

Im Pferdefleisch-Skandal sind nun auch in Deutschland Produkte mit falsch deklariertem Fleisch aufgetaucht. Die Supermarktkette Real rief eine Tiefkühl-Lasagne zurück - in Stichproben wurde Pferdefleisch nachgewiesen.

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Im Pferdefleisch-Skandal sind nun auch in Deutschland Produkte mit falsch deklariertem Fleisch aufgetaucht. Die Supermarktkette Real rief eine Tiefkühl-Lasagne zurück - in Stichproben wurde Pferdefleisch nachgewiesen.

Der Pferdefleisch-Skandal hat Deutschland erreicht. Die Supermarktkette Real rief am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurück, nachdem in einzelnen Stichproben Anteile von Pferdefleisch gefunden worden waren, wie das Unternehmen mitteilte. „Diese Maßnahme erfolgt rein vorsorglich, da zu keinem Zeitpunkt ein Hinweis auf ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher bestand“, hieß es. Das Produkt genüge jedoch nicht den Qualitätsansprüchen des Unternehmens.

Bereits zuvor hatte das Bundesverbraucherministerium nach eigenen Angaben über das europäische Schnellwarnsystem entsprechende Hinweise bekommen. Das betroffene EU-Land Luxemburg habe auf diesem Weg den Verdacht mitgeteilt, dass falsch deklarierte Lebensmittel vermutlich auch nach Nordrhein-Westfalen geliefert worden seien, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin. Deutschland sollte deshalb am Abend an einem EU-Informationstreffen in Brüssel teilnehmen.

In den vergangenen Wochen waren in mehreren Ländern der EU Fertiggerichte entdeckt worden, in denen statt des angegebenen Rindfleischs auch Pferdefleisch verarbeitet worden war. In Deutschland handelt es sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministers Johannes Remmel (Grüne) vorwiegend um verarbeitete Lasagne. In dem Verdachtsfall ergebe sich aus der Auswertung der Lieferlisten, dass über einen Zwischenhändler verdächtige Produkte in größerem Umfang nach Deutschland geliefert worden seien.

DNA-Tests angekündigt

Betroffen seien, so der Minister, nicht nur Discounter und Lebensmittelketten, sondern auch andere Lebensmittelunternehmen. Remmel nannte die Firmen Kaisers&Tengelmann, Edeka, Rewe und Eismann. Sobald die Ware gefunden sei, würden DNA-Analysen vorgenommen.

„Der Verzehr von einwandfreiem Pferdefleisch führt aber nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen“, betonte Remmel. Er warf den betroffenen Unternehmen vor, die Behörden nicht informiert zu haben, obwohl der Verdacht von Kennzeichnungsverstößen seit Wochen bestehe. Remmel betonte, der Pferdefleischskandal müsse lückenlos aufgeklärt werden. Er sprach in diesem Zusammenhang von „kriminellen Machenschaften“ und „Täuschung der Verbraucher“. Eine politische Konsequenz müsse sein, die Herkunftsbezeichnungen zu verbessern. Laut Medienberichten könnte der Skandal von Rumänien ausgegangen sein. Die rumänische Regierung geht jedoch davon aus, dass es in dem Land keine Verstöße gegen irgendwelche EU-Regeln gegeben hat. Betroffen waren eine Fleischfabrik in Frankreich und ein Lebensmittelhersteller in Luxemburg.

Transparenz gefordert


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Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) geht von einem „krassen und schlimmen Fall von Verbrauchertäuschung“ aus. „Wir unterstützten strengere Herkunftsbezeichnungen für Lebensmittel“, sagte ihr Sprecher Holger Eichele, dieser Zeitung. „Der Verbraucher hat Anspruch auf maximale Transparenz. Er muss sich auf Qualität und Kennzeichnung verlassen können, egal wie viele Stationen in der Lieferkette das Lebensmittel durchläuft.“

Der Verbraucherschützer Armin Valet, Experte für Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale in Hamburg, betont, dass „einwandfrei verarbeitetes Fleisch, das von Pferden stammt, die zur Lebensmittelgewinnung zugelassen sind, unbedenklich ist“. Allerdings warnt Valet davor, dass es sich bei den Lieferanten um Betrüger handeln könnte. „Das Fleisch könnte also nicht genusstauglich gewesen sein.“ Genusstaugliches Pferdefleisch sei nämlich kaum billiger als Rind, so Valet. Daher könnte das nun aufgetauchte Fleisch möglicherweise von Pferden stammen, die mit Doping- oder Schmerzmitteln behandelt wurden. „Dieses Fleisch in Europa als Lebensmittel zu verkaufen ist verboten“, sagt Valet. Bislang wurde laut Valet in der EU meist nach mit Huhn oder Schwein gestrecktem Rindfleisch gesucht.

Die Grünen forderten Konsequenzen. Lange internationale Produktionsketten, die auf niedrige Preis ausgerichtet sind, seien ein Einfallstor für Betrug und Täuschung, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Nicole Maisch. Eine Sprecherin des Branchenverbandes Deutsches Tiefkühlinstitut warnte dagegen vor „voreiligen Spekulationen“. (mit dpa)

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